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DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei
gemeinnützige Gesellschaft mbH
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Im Juli 2002 erfuhr ich von meinem Transplantationszentrum in Wiesbaden, dass eine Spenderin für mich gefunden sei. Da schoss mir das erste Mal das Adrenalin vor Aufregung ins Blut. Ich war damals 38 Jahre alt und hatte zwei Töchter im Alter von dreieinhalb und fünfeinhalb Jahren. Bei mir war 18 Monate zuvor eine CML diagnostiziert worden und leider ergab eine Studienteilnahme mit Glivec nicht den gewünschten Erfolg. Ich bat meinen Mann, noch einmal in Wiesbaden anzurufen, um bestätigt zu bekommen, dass sie tatsächlich jemanden für mich gefunden hatten. Nach relativ kurzer Suche war ein Spender da! Ich konnte es nicht fassen.
Nach der Transplantation der Stammzellen fragte ich jedes Jahr bei meinem ‚Jahrescheck‘ in Wiesbaden nach meiner Spenderin. Nachdem ich Namen und Adresse meiner Spenderin im Januar 2010 herausgefunden hatte, bin ich im Januar 2011 für ein kurzes Kennenlernen zu zweit zum Mittagessen und für einen kleinen Spaziergang zu Linda nach Washington geflogen. Schon alleine die Vorfreude war unbeschreiblich, aber auch Überlegungen: wie wird sie sein? Und dann: ein unglaubliches Gefühl des Glücks und der Freude!
Dann der zweite Adrenalinschub: Auf meine Einladung zum 10jährigen Transplantationsjubiläum (+48. Geburtstag, der nur 3 Tage früher war) bekam ich eine Email von Linda. "Is there room at the table for two more?" (Gibt es am Tisch noch Platz für zwei zusätzliche Gäste?”). Linda kam das erste Mal nach Deutschland und so habe ich auch ihren wunderbaren Mann Bill kennengelernt. Wir haben mit Familie und Freunden ein wunderschönes Fest im großen Kreise gefeiert, mit dem ich mich bei allen, die mir in der Zeit geholfen haben, bedanken wollte. Das Fest wird uns allen bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben! Anstelle von Geschenken haben meine wundervollen Gäste 1.020 Euro an die DKMS gespendet!
Was mich am meisten überrascht hat: Linda und ich sind uns nicht nur äußerlich ähnlich, sondern haben auch viele andere Gemeinsamkeiten, nur teilt Linda nicht meine Liebe zu Latte Macchiato! Ich habe eine große Schwester dazu gewonnen!
„Ahoj Onkel!
In ein paar Tagen werde ich 6 Jahre alt. So gerne möchte ich dir einige Zeilen schreiben, aber das kann ich noch nicht. Indem sie in meinem Namen diesen Brief schreiben, wollen dir meine Eltern Folgendes von mir sagen:
Ich wurde geboren auf einer paradiesischen Südseeinsel namens Bora Bora. Meine Eltern haben akzeptieren müssen, dass ich ein Urwaldwesen war. Die grenzenlose Schönheit der tropischen Natur war das Erste, was ich wahrnehmen durfte. Nie habe ich gedacht, dass es auch ganz anders sein könnte. Ich habe friedlich und zufrieden gelebt mit meinen Krabben, Libellen, Faltern und den vielen Fischen. Auch jetzt kann ich mit Puppen nichts anfangen, aber dafür habe ich rund um mich herum verschiedene Tierchen.
Als ich ein bisschen gewachsen war, bin ich zum ersten Mal in die Zivilisation gekommen, um meine Großeltern zu besuchen. Und musste dableiben!!! Ich musste zu einer Untersuchung in die Klinik. Dort haben meine Eltern Folgendes gehört: »Es tut mir sehr leid, dass ich eine sehr schlechte Nachricht für Sie habe. Wissen Sie, was Leukämie ist? Ihre Tochter hat sie.«
Wie sollten mir meine Eltern erklären, was passiert ist, damit ich das, als Dreijährige, auch verstehe. Und so hat Mutti über die lieben und die bösen Käferlis geredet, die wir, ich, Mutti, Papi und du, im Körper haben. Die bösen wollen von Zeit zu Zeit nicht gehorchen, so wie die Kinder manchmal. Und die lieben Käferlis überwachen und richten das alles. Manchmal sind die bösen Käferlis so schlimm, dass die lieben sie nicht unter Kontrolle halten können und müde werden, und so müssen wir helfen, die bösen davonzujagen.
Damals hat man mit den bösen Käferlis auch ein paar von den guten weggejagt und so habe ich meine Haare verloren. An das Leben ohne Haare habe ich mich ziemlich schnell gewöhnt, ringsherum waren viele andere Kinder auch ohne Haare und sahen ganz gut aus. Und so kam ein Tag nach dem anderen. Ins Spital fuhren wir regelmäßig weiter, damit alle von den bösen Käfern weggetrieben werden und nicht bleiben wollen.
Doch bald darauf sind die bösen Käferchen wieder munter geworden… Jetzt wurde es unmöglich, diese Käfer loszuwerden. Sie waren ganz anders und ein Zusammenleben mit ihnen unmöglich. Sie wollten mich auffressen. Es musste nun irgendwo einen Menschen geben, der ähnliche liebe Käferlis hat wie ich. Und während in der ganzen Welt nach so einem Menschen gesucht wurde, habe ich mit allen Kräften gekämpft, dass ich die neuen Helfer begrüßen kann. Dann wurdest du gefunden.
Im Pyjama, frisch gewaschen, habe ich mich im Spital von Papi verabschiedet und die nächste Tür passiert. Der Rückweg konnte erst zwei Monate später erfolgen. Nur Mutti durfte mit mir im Zimmer sein und warten. Warten auf deine lieben Käfer.
Noch ein paar Stunden verstrichen, dann brachte die Schwester sie in unser Zimmer. Nach einer Stunde waren sie alle bei mir. Jetzt suchten sie sich den richtigen Weg in mir. Ganz schlau, oder?Und so habe ich dank dir die Tür von der anderen Seite öffnen und mit Mutti nach Hause gehen können. Nach drei Jahren kommt mir das alles fast schon normal vor. Wie alle anderen Kinder in den Kindergärten und Schulen leben, weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass ich nur noch die lieben Käfer habe. Ich will dir noch sagen, dass ich in drei Wochen zurück in den Dschungel fliege, wo Fische, Krabben, Spinnen und Ähnliches auf mich warten. Wenn ich einmal voll begreife, was du mir gegeben hast, weiß ich, dass ich nur sehr schwer Worte finden werde, dir Danke zu sagen. Ich will dir noch sagen, dass es für mich keine schöneren Geschenke gibt. Du kennst mein Gesicht, meine Stimme, meinen Charakter nicht und trotzdem hast du mir deine Käfer geschenkt.
Du hast mir ein Stück von dir gegeben und ich möchte dir sagen, dass es ihm bei mir gefällt. Ahoj, Onkel“.
Gerhard Meyer lässt sich 1991, kurz nach Gründung der DKMS, registrieren. Er ist damit ein DKMS-Spender der ersten Stunde. Jahre später wird bei ihm selbst eine chronische Form der Leukämie festgestellt. Plötzlich braucht er die Hilfe eines Stammzellspenders. Nach der erfolgreichen Transplantation folgen viele Aufs und Abs, bis er wieder ein normales Leben führen darf. Heute geht es ihm gut und er genießt jeden Moment mit seiner Familie.
"Bei einem Blutspendetermin im Juni 1991 fiel mir ein Plakat auf: Für einen Leukämiepatienten wurde ein Spender gesucht. Die Arzthelferin erklärte mir, dass es für die Heilung von Leukämiepatienten die Möglichkeit einer Stammzellspende gebe. Ob ein Spender zu einem Patienten passe, würde über eine Untersuchung der Gewebemerkmale ermittelt. Ich entschloss mich spontan, mitzumachen. So war ich knapp einen Monat nach Gründung der DKMS einer der ersten registrierten Spender.
Acht Jahre später war ich wieder einmal bei der Blutspende. Nach der Eingangsuntersuchung teilte man mir mit, dass ein wichtiger Wert zu niedrig sei. Untersuchungen und Kontrollen in der Klinik folgten. Und dann die Diagnose: chronische myeloische Leukämie, kurz CML. Im ersten Moment brach für mich eine Welt zusammen. Die Ärzte sagten mir, dass eine Stammzelltransplantation in Frage käme. Dieser Begriff war mir ja schon geläufig und auch, dass so in den letzten Jahren immer mehr Leukämiekranke geheilt werden konnten. Das Wichtigste in diesem Moment war, dass keine akute Lebensgefahr bestand. Die Ärzte und ich hatten Zeit, uns auf eine optimale Behandlung vorzubereiten. So schöpfte ich Hoffnung, die mir neue Kraft gab.
Ich hatte unglaubliches Glück. Nach wenigen Monaten wurde für mich ein passender Stammzellspender gefunden. Am 11. April 2000 wurde mir mein neues Leben transplantiert. Die Stammzellen, die jemand für mich gespendet hatte. Nach einem ständigen Auf und Ab begann ich 2001 wieder zu arbeiten. Nach und nach wurde mein Leben wieder normal und heute geht es mir fast so gut, als wäre ich nie krank gewesen. Nur meine Haare habe ich als Folge der Chemotherapie dauerhaft verloren. Während der Behandlung hat mich der Gedanke beruhigt, dass ich vorher selbst dazu bereit war, anderen die Hilfe zu geben, die ich nun zum Überleben brauchte.
Eine riesige Überraschung hielt das Leben noch für mich bereit: Durch die Stammzelltransplantation bekam nicht nur ich ein neues Leben geschenkt. Am 3. Juni 2003 wurde unser drittes Kind, Lukas, geboren. Für uns ein kleines, unfassbares Wunder! Denn nach der Therapie sollte ich laut Aussage der Ärzte wahrscheinlich dauerhaft zeugungsunfähig sein.
So haben heute zwei Menschen ihr Leben der Spendenbereitschaft eines anderen zu verdanken."
Neun Jahre und nur 120 Kilometer trennen Mario Schäfer von »seinem« Patienten Peter Hambach. Dass sein Leben mit 44 Jahren um einen neuen »großen Bruder« bereichert wird, macht den Stammzellspender sehr glücklich. Ohne ihn hätte der Kampfsporttrainer die Leukämie nicht überlebt. Doch Peter kämpft mit allen Kräften – um sein Leben und um seine Zukunft, mit seiner großen Liebe Maike.
"Peter: Im April 2007 lernte ich meine jetzige Frau Maike kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich flirtete so heftig, als ginge es um mein Leben … ohne zu wissen, dass es tatsächlich so war. Denn Maike bat mich nach zwei Wochen, einen HIV-Test zu machen.
So wurde eine fortgeschrittene Form der Leukämie festgestellt. Die Diagnose zog uns den Boden unter den Füßen weg. Ich hatte Angst, dass jetzt alles zu Ende ist, wo ich doch gerade erst die Frau meines Lebens gefunden hatte. Als Maike mich ins Krankenhaus brachte, dachte ich, das war’s. Die sehe ich nicht wieder. Wer tut sich das denn an mit einem so kranken Mann? Doch Maike blieb und packte an. Irgendwann bekamen wir die lang ersehnte Nachricht, dass es einen Spender gab.
Mario: Für mich stand von vornherein fest: Du machst das, egal wie. Ich wollte nicht, dass eine Familie in Angst leben muss, weil ich nicht spende. Ich war mir von Anfang an sicher: Wir, ich und der Patient, wir schaffen das zusammen!
Peter: Am Tag der Transplantation warteten wir den ganzen Tag auf die Spenderzellen. Ich lag in meinem Bett, mehr eine leere Hülle als ein Mensch, Maike bei mir, Stunde um Stunde. Gegen Abend kam die Ärztin ins Zimmer, schwenkte einen tiefroten Blutbeutel und sagte: »Hier ist Ihr neues Leben.« Wir hatten keine Zweifel, dass es genau das bedeutete.
Mario: Kurz vor der Spende habe ich erfahren, dass meine Zellen an einen etwas älteren Deutschen gehen sollten. Aha, du hast also einen großen Bruder! Ich habe mir dann überlegt, ihm einen Brief mitzugeben. Es wurden mehrere Seiten.
Peter: Der Beutel wurde angeschlossen und das neue Leben tropfte in mich hinein. Maike las mir währenddessen den Brief vor. Wir beide weinten, tief berührt von den freundlichen Worten. Bald durfte ich nach Hause und tauschte weiter endlose Briefe mit meinem Spender aus. Jeder dieser Briefe, von beiden Seiten, war so vertraut, so offen, als würden wir uns schon ewig kennen.
Mario: An den Zeitpunkt des ersten Briefes von Maike und Peter kann ich mich noch gut erinnern. Meine Frau und ich mussten sehr weinen, als wir ihn lasen, da uns bewusst wurde, welches Leid diesen Menschen widerfahren ist und wie schnell es jeden von uns treffen kann. Nach diesem Brief stand für mich fest, komme, was wolle, du hilfst deinem »großen Bruder« und lässt nicht zu, dass der verdammte Krebs dieses junge Glück zerstört. Ich hätte Peter und seine Familie lieber unter anderen Umständen kennengelernt, da sie wirklich ganz besondere Menschen sind, aber das Schicksal hat es so gewollt.
Peter: Als wir Mario das erste Mal trafen, fielen wir uns direkt in die Arme. »DANKE! DANKE, dass es dich gibt! DANKE, dass du das auf dich genommen hast! DANKE, dass ich leben darf!« Sofort kam mir auch der Gedanke, Mario zu fragen, ob er mein Trauzeuge werden wolle.
Mario: Als Peter und Maike mich ausgewählt haben, ihr Trauzeuge zu werden, habe ich mich sehr gefreut. Aber ich hatte auch leise Bedenken, da ich nicht wollte, dass ich an ihrem Tag im Mittelpunkt stehe. Sehr schön fand ich deshalb, dass Peter mich immer als seinen »kleinen Bruder« vorstellte, und das Geheimnis, wer ich wirklich bin, erst bei seiner Ansprache auf der Feier lüftete.
Peter: Die Hochzeit stand für uns unter dem Motto »Glaube, Liebe, Hoffnung« – so, wie wir die beiden letzten Jahre gelebt hatten. Für mich bedeutete sie wohl so etwas wie ein »Ankommen«: Dies war die ganze Zeit mein Ziel gewesen während der schweren Zeit im Krankenhaus und danach.
Mario: Ich glaube, dass unsere Verbindung etwas ganz Besonderes ist. Bei den Briefen, die wir uns schrieben, musste ich oft schlucken. So schickten wir uns viele Briefe zufällig am gleichen Tag. Oder Peter beantwortete Fragen von mir, die ich ihm in Briefen stellte, die noch auf dem Postweg waren.
Peter: Die Spitze erreichte das Ganze aber, als wir die Karte öffneten, die Mario und seine Frau Anne uns zur Hochzeit überreichten. Dort hatten sie geschrieben »Omnia vincit amor« (»Liebe besiegt alles«). Genau diese Worte hatten wir eine Woche zuvor in unsere Trauringe gravieren lassen, und wir hatten niemandem davon erzählt…"
Mit 18 Jahren erkrankt Paul Streller an Leukämie. Klinikaufenthalte folgen, sein Leben wird von der Krankheit bestimmt. Dank einer Stammzelltransplantation überwindet er die schwere Zeit. Paul kommt wieder auf die Beine. Er schließt das Abitur ab, studiert und steht nun mitten im Berufsleben. Er geht seinen Weg. Vor allem aber freut er sich über jeden Tag seines neuen Lebens. Diese E-Mail schrieb er der DKMS am 09.12.2008.
"Hallo liebe DKMS,
mitten im Dezember sitze ich am Strand in Australien, im Schatten eines Strohdachs, mit einem alkoholfreien Cocktail in der Hand, schaue auf den Ozean und genieße das Leben. Warum gerade heute, am 9. Dezember? Heute feiere ich mein 6. Jubiläum des Sieges über die Leukämie.
Anlässlich großer Ereignisse werden ja oft tränenreiche Dankesreden gehalten und kleine goldene Statuen verteilt. Was ich heute in meiner Hand halte, ist keine goldene Statue. Was ich in meiner Hand halte, ist mein neues Leben.
Vermutlich bin ich derjenige, der am wenigsten zu meinem Überleben beigetragen hat, aber den größten Nutzen hat. Dieser heutige Ehrentag gebührt daher den Menschen um mich herum. Vor allem möchte ich dem Menschen danken, der die Selbstlosigkeit aufgebracht hat, einem Unbekannten einen Teil von sich zu geben. Ohne meinen Spender wäre nichts möglich gewesen. Ohne ihn wäre ich heute nicht am Leben! Auch der DKMS möchte ich danken – für die Registrierung vieler Spender, unter anderem meines Spenders! Außerdem den Ärzten und Schwestern, die mich mit den nötigen Therapien versorgten und mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Ich habe gelernt, mein vollstes Vertrauen in die Fähigkeiten und die Hingabe der weiß, blau und grün bekittelten Gestalten um mich herum zu legen, und das völlig gerechtfertigt. Die Menschen, allen voran meine Eltern, die mir Mut machten mit Besuchen, Anrufen, Post, die mir halfen, den Start in ein neues Leben zu beginnen, möchte ich ehren, da ich durch ihre Hilfe die vielen tiefen mentalen Täler überstehen konnte.
Diese Menschen stellen nur einen Bruchteil der Verantwortlichen dar. Im Hintergrund haben vermutlich Hunderte darauf hingearbeitet, diesen Sieg für mein Leben zu erringen. Trotz allem werde ich den Preis des Sieges – mein Leben! – bei mir behalten, da ich vermutlich derjenige bin, der am meisten damit anfangen kann. In dieser Hinsicht muss ich mich wohl als egoistisch bezeichnen, denn ich bin nicht gewillt, es wieder herzugeben. Und das ist gut so. DANKE!
Liebe Grüße,
Paul Streller"
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