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DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei
gemeinnützige Gesellschaft mbH
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Im Juli 2005 starb der kleine Sohn meiner besten Freundin an einem Gehirntumor. Er wurde nicht einmal drei Jahre alt. Kurz darauf erkrankte ein guter Freund mit 30 Jahren an Leukämie und auch er überlebte nicht. In der Folgezeit wurden bei einer Nachbarin und bei einer Kollegin Leukämie diagnostiziert. Ich war schockiert, wie viele Menschen schon im eigenen Umfeld erkranken. 2008 erfuhr ich von der DKMS und ließ mich sofort typisieren.
Im Juni 2010 bekam ich einen Anruf von der DKMS, dass ich für einen Patienten in die engere Wahl kommen würde und wurde um Blutproben gebeten, damit eine genaue Typisierung durchgeführt werden kann. Ich musste mich um nichts kümmern. Die DKMS vereinbarte einen Termin bei meinem Hausarzt und schickte ihm die Testutensilien. Nach der Blutentnahme übernahm mein Hausarzt alles Weitere. Dann ging es sehr schnell: Keine zwei Wochen später wieder ein Anruf der DKMS. Meine Merkmale passen zu 100 Prozent. Da es für den Patienten langsam eng werde, müsse ich so schnell wie möglich die Voruntersuchung machen lassen und ebenso sollte die Entnahme möglichst bald durchgeführt werden.
"Alle lustig und sprachen schönstes Fränkisch"
Am 28. Juli wollte ich nach Ungarn zur Formel I, also musste es noch vorher stattfinden. Die Voruntersuchung sollte am 06. Juli in Dresden durchgeführt werden, die Entnahme dann am 22. Juli. Einen Tag später wieder ein Anruf. In Dresden ist kein Termin frei, also muss ich nach Nürnberg. Klasse! Schließlich komm ich aus München und da fahr ich in einer Stunde mit dem ICE hin. In der Arbeit sprach ich mit meinem Chef und erzählte ihm davon. Ich bin Polizist und da muss das natürlich beamtenmäßig nach Vorschrift laufen. Er begann zu telefonieren wie man das regelt. Und siehe da, es ging ganz einfach. Ich bekam ganz offiziell eine Dienstbefreiung für die Tage.
Am 06. Juli stand ich pünktlich um 9 Uhr in der KMT-Ambulanz des Klinikums Nürnberg-Nord. Nachdem sich jeder mehrfach für meine Bereitschaft zu spenden bedankt hatte, wurde ich von einer sehr netten jungen Schwester in ein Behandlungszimmer geführt, wo mir zwölf Röhrchen Blut abgenommen wurden. Danach bekam ich meinen Laufzettel zu den einzelnen Untersuchungen. Da war wirklich alles dabei: Hörtest, Sehtest, komplette Ultraschall-Untersuchung, verschiedene Aufklärungsgespräche, etc. Die Ultraschall-Untersuchung gefiel mir am besten. Fünf Ärztinnen und Schwestern im Raum, alle lustig und sprachen schönstes Fränkisch. Mittags war ich fertig und ich machte mich wieder auf den Heimweg.
"Zwei lustige Tabletten"
Drei Tage später bekam ich die Info, dass bei der Voruntersuchung alles in Ordnung war und die Entnahme wie geplant stattfinden kann. Also fand ich mich mit meinem kleinen Koffer am 21. Juli wieder in Nürnberg ein. Mein Zimmer war noch nicht fertig, also wartete ich. Hatte ja nichts anderes vor. Noch während ich wartete wurde mir erneut Blut abgenommen. Dann war mein Zimmer auch schon fertig. Zu diesem Zeitpunkt stand nur ein Bett drin und ich konnte kurzzeitig ein Einzelzimmer genießen. Das Klinikum wurde zu der Zeit großflächig umgebaut und ich hatte die Baustelle genau vor dem Fenster. War ziemlich laut, aber ich wollte ja nicht die nächsten Wochen bleiben. Der Tag ging vorbei und am Abend bekam ich noch einen – wie sich noch heraus stellen sollte- fürchterlich schnarchenden Bettnachbarn.
Am nächsten Morgen gab es kein Frühstück, dafür zwei lustige Tabletten und danach ging es auch schon nach unten. Die Narkose wirkte schnell und deshalb fehlt mir auch die kommende Stunde. Irgendwann wachte ich wieder auf, jede Menge Betten um mich rum und ein Pfleger stand schon vor mir: „Na, wie geht’s?“ Außer tierischen Schmerzen, alles gut. Kurz drauf ging es wieder zurück in mein Zimmer und ich schlief noch ein wenig, bis ich durch meinen Nachbarn geweckt wurde, der wohl geträumt hatte und plötzlich laut zu schreien begann. Okay, bin wach. Dann kam auch schon eine Ärztin und erklärte mir alles. Die OP verlief gut. Mir wurden 1,3 Liter abgesaugt und dafür siebenmal in den Beckenkammknochen gebohrt. Alles klar. Jetzt weiß ich, was da so weh tut.
"Mich würde schon interessieren, wie es ihm geht"
Am nächsten Vormittag wurde ich entlassen und machte mich wieder auf den Heimweg. So ganz auf der Höhe war ich noch nicht, was ich erst merkte, als ich schon am Bahnhof stand. Laufen fiel recht schwer und ich war unglaublich müde. Idealerweise hatte ich auch noch einen ICE erwischt, in dem die Klimaanlage nicht richtig funktionierte. Nach insgesamt neunzig Minuten sperrte ich überglücklich die Haustüre auf.
Die folgenden Tage verbrachte ich in meinem gemütlichen Sessel, ständig müde. Am 28. Juli ging es wie geplant nach Ungarn und dort bekam ich dann auch den Anruf der DKMS, dass meine Spende für einen 37jährigen Amerikaner gewesen ist.
Zwei Monate später flatterte ein Brief ins Haus: „Die transplantierten Zellen sind bei dem Patienten gut angewachsen und er ist bereits nach Hause entlassen worden!“ Gut zu wissen. Hat sich gelohnt. Das ist jetzt genau zwei Jahre her. Mich würde schon interessieren, wie es ihm geht. Ob ich es wieder machen würde? Jederzeit!
Enrico Rahn aus Schwedt arbeitet als Sicherheitsmitarbeiter bei Securitas. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Anderen Menschen zu helfen ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Aus diesem Grund ließ er sich im Mai 2008 als potenzieller Stammzellspender in die DKMS aufnehmen. Sein Wunsch - Menschen in Not zu helfen - , erfüllt sich im November 2011: Enrico Rahn spendet seine Stammzellen für einen 15-jährigen Patienten aus Russland.
"Im Mai 2008 habe ich mich auf der Internetseite der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert. Wenige Tage später war ein Päckchen im Briefkasten mit Wattestäbchen für einen Wangenabstrich. Nachdem ich den Abstrich gemacht habe, habe ich die Wattestäbchen zurückgeschickt.
Bis April 2011 passierte nichts. Doch dann, wieder ein Päckchen von der DKMS. Darin: Blutentnahmeröhrchen und ein Brief. In dem beiliegenden Brief stand, dass ich auf Grund meiner Gewebemerkmale möglicherweise auf einen Leukämiepatienten passen könnte, dies jedoch erst noch genau anhand einer Blutprobe getestet werden müsse. Mit dem Set ging ich zu einem Arzt, um Blut abnehmen zu lassen. Nach der Rücksendung erhielt ich wenige Tage später per E-Mail die Information, dass ich bei dem Patienten als Spender in Frage komme.
Bis Anfang November hörte ich nichts, dann ein Anruf von der DKMS, in dem mir mitgeteilt wurde, dass es nun mit der Spende ernst werden würde und ob ich dieses auch immer noch tun möchte. Ich habe zugesagt und wir sprachen über die Termine zur Voruntersuchung und den Ort der Stammzellspende. Mit diesen Informationen ging ich am Tag darauf zu meinem Bereichsleiter Hartmut Sack und Einsatzleiter Holger Jost . Ich bat um Freistellung von der Arbeit, um diese Spende durchzuführen. Sie sagten beide zu und fingen umgehend an, Dienstpläne umzustellen und Kollegen um Übernahme meiner Dienste zu bitten.
Am 11. November fand in der Uniklinik Dresden die Voruntersuchung statt. Nachdem diese positiv ausging, fuhr ich am 28. November mit meiner Familie nach Dresden. Meine Freundin und meine Tochter schliefen in einem Hotel, ich in der Klinik. Am nächsten Tag fand am frühen Morgen die Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm unter Vollnarkose statt. Alles verlief ohne Probleme und einen Tag später wurde ich schon wieder nach Hause entlassen. Für eine Woche bekam ich noch eine Arbeitsunfähigbescheinigung.
Einen Tag nach der Rückkehr zu Hause telefonierte ich mit meinem Bereichsleiter, Herrn Sack, und informierte ihn über den positiven Ausgang der Spende und fragte ihn über das weitere Vorgehen, was die Lohnfortzahlung betrifft. Ich teilte ihm mit, dass er sich meinen Lohnausfall von der DKMS rückerstatten lassen kann. Seine Antwort überraschte und freute mich. Er sagte, dass er das Geld der DKMS spenden möchte und wünscht nur eine Spendenquittung. Eine Laboruntersuchung für eine Typisierung eines potenziellen Spenders kostet etwa 50 Euro. Durch seine Spende kann die DKMS Laboruntersuchungen und Folgekosten für Stammzellspender übernehmen. Dafür möchte ich mich auch bei ihm bedanken.
Meine Spende ging nach Russland. Dort ist ein 15-jähriger Junge an einer schweren Form der Leukämie erkrankt. Ich hoffe, dass mein genetischer „Zwilling“ durch meine Knochenmarkspende wieder gesund wird.Etwa 100 Tage nach der Spende fragt die DKMS bei der Klinik nach dem Gesundheitszustand des Patienten und informiert mich darüber.
Etwa drei Wochen nach meiner Spende gab es in meiner Stadt eine Registrierungsaktion für einen Leukämiepatienten aus der Region. In dem Löschzug meiner Feuerwehr, in der ich freiwillig tätig bin, versuchte ich Kameraden dazu zu bewegen sich registrieren zu lassen, was mir bei sieben gelang.
Ich persönlich würde mich freuen wenn ich durch diese Geschichte weitere Mitarbeiter unseres großen Konzerns zum Nachdenken gebracht habe. Meine Bitte an alle Kollegen von SECURITAS: „Lasst euch typisieren und gebt vielleicht somit einem Menschen die Chance zu leben“. Bei der DKMS heißt es: "Jeder einzelne zählt"."
Das sind schon zwei besondere Brüder. Tom (links) und Nico (rechts) Krichels haben für großes Staunen bei den DKMS-Mitarbeitern gesorgt. Denn im Jahr 2008 kommen beide zeitgleich als Spender für zwei Patienten aus den USA in Frage. Die Brüder zögern keine Sekunde. Und so sitzt der 23-jährige Tom, der diese Geschichte erzählt, seinem älteren Bruder Nico bei der Spende in Frankfurt gegenüber.
„Angefangen hat alles 2006 mit einem an Leukämie erkrankten Klassenkameraden von Nico namens Alberto. Daraufhin hat sich unsere gesamte Familie als Spender registrieren lassen. Zwei Jahre später erhielten Nico und ich beide Post von der DKMS. In dem Schreiben wurde uns mitgeteilt, dass unsere Gewebemerkmale mit zwei Patienten übereinstimmen. Wir haben uns sehr gewundert, dass wir gemeinsam angeschrieben wurden. Ein Gespräch mit der DKMS bestätigte es: Noch nie zuvor hatten sie erlebt, dass zwei Brüder gleichzeitig zu unterschiedlichen Patienten passten! Irgendwo auf der Welt (später stellte sich heraus, dass es in den USA war) gab es zwei Patienten in ähnlicher Situation, die sich wahrscheinlich gar nicht kannten und deren genetische Merkmale genau zu unseren passten! Ob die beiden sich auch irgendwie ähnlich sind?!
Wir wurden gebeten, schnellstmöglich nach Frankfurt zu reisen, um uns dort einer Voruntersuchung zu unterziehen. Alles passte, so dass es kurze Zeit später so weit war: Die Entnahme der Stammzellen stand an. Anreise war schon am Abend zuvor mit Übernachtung in einem Hotel. Am Morgen, nach gutem Frühstück, fuhren wir zur Klinik. Nach einer kleinen Voruntersuchung konnten wir Platz nehmen. Jetzt wurde die Stammzellentnahme eingeleitet, eine Kanüle in den rechten sowie eine in den linken Arm, d.h. wie bei einem Dialyseverfahren werden die Stammzellen aus dem Blut gefiltert. Sehr witzig war, dass wir uns gegenübersaßen und uns die ganze Zeit im Blick hatten. Nicht nebeneinander, damit bloß nichts verwechselt wird und die Patienten die richtigen Zellen erhalten!
Während der fünfstündigen Entnahme gab es Filme, Musik, Essen und Trinken zur Ablenkung. Also alles halb so wild. Etwas anderes als zu Hause auf der Couch ist es aber doch. Ich war erleichtert, als alles vorbei war. Während der Entnahme war die Bewegungsfreiheit nämlich eingeschränkt, was einen gehörigen Muskelkater nach sich zog. Jedoch ist die Stammzellentnahme beim Spender nichts im Gegensatz zu dem, was die Patienten erleben! Wir hoffen, dass wir ihnen wirklich helfen konnten.
Diese Erfahrung war für uns beide eine ganz besondere, die uns für immer in Erinnerung bleiben wird. Wir würden es immer wieder tun. Erst recht, wenn wir wieder gemeinsam spenden dürfen.“
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