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Transplantationen

Grundlegende Informationen

Vielleicht kommt für Sie jetzt oder im weiteren Verlauf Ihrer Erkrankung eine Transplantation von Knochenmark oder Blutstammzellen in Frage. Hier finden Sie einige grundlegende Informationen zur Stammzelltrans-
plantation. Für nähere Informationen vermitteln wir Ihnen gern den Kontakt zu einem entsprechenden Experten.

Die Stammzelltransplantation
Stammzelltransplantationen werden bei Patienten durchgeführt, bei denen eine bösartige Erkrankung des Blut bildenden Systems diagnostiziert wurde. Dazu gehören verschiedene Formen der Leukämie und der Lymphome bei Kindern und Erwachsenen sowie die schwere aplastische Anämie, schwere angeborene Immundefekte (nur bei Kindern) sowie verschiedene Erkrankungen der roten Blutkörperchen. Am häufigsten wird die Stammzelltransplantation bei den verschiedenen Formen der Leukämie eingesetzt. Bei der Leukämie kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung der weißen Blutkörperchen. Diese Blutzellen können ihre Funktion, Infektionen abzuwehren, meist nicht erfüllen. Schlimmer noch: Durch ihre ungehemmte Vermehrung verdrängen sie die weiteren lebenswichtigen Bestandteile des Blutes. Diese sind die roten Blutkörperchen, verantwortlich für den Sauerstofftransport, und die Blutplättchen, die die Blutgerinnung gewährleisten. Ohne Behandlung muss der Patient sterben.

Voraussetzungen für eine Stammzelltransplantation
Ob ein Patient tatsächlich eine Stammzelltransplantation empfangen kann, hängt von der Art und Schwere seiner Erkrankung und von seiner körperlichen Verfassung ab. Erste Voraussetzung für eine Stammzelltransplantation ist natürlich, dass ein Spender mit nahezu identischen Gewebemerkmalen gefunden ist. Die Suche beginnt zunächst innerhalb der eigenen Familie. Wenn man dort nicht fündig wird, wird ein so genannter Fremdspender gesucht. Um sicherzustellen, dass ein geeigneter Spender gefunden ist, werden bei der Bestätigungstypisierung die Blutproben des Patienten wie auch des Spenders im selben Labor unter gleichen Bedingungen untersucht.

Vorbereitung auf die Transplantation

Ungefähr zwei Wochen vor der Transplantation wird der Patient stationär in der Klinik aufgenommen. Nachdem alle notwendigen Voruntersuchungen abgeschlossen sind, beginnt die eigentliche Vorbereitungsphase für die Stammzelltransplantation. Dafür wird der Patient sieben bis zehn Tage vor der Transplantation auf die Transplantationsstation verlegt. Dort wird sein krankes Blut bildendes System durch eine Chemotherapie und/oder Ganzkörperbestrahlung behandelt. Deren Ziel ist die vollständige Zerstörung aller kranken Zellen und die Unterdrückung des Abwehrsystems, um zu vermeiden, dass die übertragenen Stammzellen abgestoßen werden.


Da der Patient nach der Therapie nur über stark reduzierte Abwehrkräfte verfügt, muss die Vorbereitungsphase teilweise in einer so genannten Isoliereinheit - einem keimfreien Raum - stattfinden. Nur so kann die lebensbedrohliche Infektionsgefahr verringert werden. In diesem Stadium der Behandlung ist der Patient ohne Stammzellen des Spenders mittelfristig nicht lebensfähig.

Der "Tag null"
Am Tag der Transplantation, auch "Tag null" genannt, werden dem Patienten die Stammzellen in einem keimfreien Transplantationszimmer intravenös übertragen.

Die Transplantation sollte möglichst innerhalb von 48 Stunden nach Entnahme der Stammzellen des Spenders durchgeführt werden. Diesen Tag feiern viele Patienten später wie ihren Geburtstag.


Aber was genau geschieht bei der Transplantation oder welche Komplikationen können auftreten?  

Wie werden dem Patienten die Stammzellen übertragen?

Die Übertragung der Stammzellen des Spenders erfolgt, ähnlich wie bei einer Bluttransfusion, intravenös. Die transplantierten Stammzellen werden durch den Blutstrom im Körper verteilt und nisten sich in den Knochenhohlräumen des Patienten ein. Dort beginnen sie, neue, gesunde Blutzellen zu bilden. Während der ersten zwei bis vier Wochen nach der Transplantation bleibt der Patient wegen des Infektionsrisikos auf der Transplantationsstation. Nach dem Anwachsen der neuen Blutzellen kann es zu einer Reaktion des Transplantats gegen den Empfänger kommen (Graft-versus-Host-Disease), die medikamentös behandelt werden muss. 

Was sind die ersten Anzeichen für den Erfolg einer  Stammzelltransplantation?
Nach ca. zwei bis vier Wochen gibt es erste Anhaltspunkte dafür, ob die neuen Stammzellen ihre Aufgabe erfüllen und gesunde Blutzellen bilden. Diese Zeit ist nach einer Transplantation stimulierter peripherer Stammzellen im Gegensatz zur Knochenmarkentnahme kürzer. Die Überprüfung erfolgt anhand der Veränderung der Anzahl der im Blut vorhandenen Blutkörperchen. Wenn ein stetiger Anstieg weißer und roter Blutkörperchen sowie der Blutplättchen nachweisbar ist, steigt auch die Chance auf ein zweites Leben für den Patienten. 

Welche Komplikationen können beim Patienten auftreten?

Komplikationen während der Vorbereitungsphase sind meist die allgemein bekannten Nebenwirkungen der Chemotherapie und/oder Ganzkörperbestrahlung wie z. B. Übelkeit und Erbrechen. Während der ersten Zeit nach der Transplantation besteht generell ein erhöhtes Infektionsrisiko, da das Immunsystem des Patienten nach der Vorbereitungsphase stark geschwächt ist und sich erst langsam wieder aufbaut. Leider können auch Rückfälle auftreten, da unter Umständen nicht alle Krebszellen zerstört wurden. Das heißt, es kann auch nach der Transplantation jederzeit zum Wiederausbruch der Leukämie kommen. Nach der Transplantation kann es aber auch vorkommen, dass sich die neuen Stammzellen mit dem Körpergewebe des Patienten nicht vertragen und es daraufhin zu einer umgekehrten Abstoßungsreaktion kommt - eine sehr schwerwiegende Komplikation (Graft-versus-Host-Disease). Sollten die Spender Stammzellen nicht anwachsen oder kommt es zu einem Krankheitsrückfall, wird der Spender eventuell gefragt, ob er zu einer weiteren Stammzellspende bereit ist. 

Können mit Stammzellen des Spenders Krankheiten übertragen werden?

Trotz der aufwendigen Gewebetypisierung im Vorfeld der Transplantation kann es zu einer umgekehrten Abstoßungsreaktion (GvHD) beim Patienten kommen. Diese Reaktionen fallen unterschiedlich stark aus und können medikamentös behandelt werden. Die GvHD hat nichts damit zu tun, dass die Stammzellen des Spenders nicht in Ordnung waren. Vielmehr sind noch nicht alle Faktoren erforscht, die zu einer GvHD führen. Darüber hinaus werden diese Abstoßungsreaktionen auch bewusst von den Ärzten toleriert, da sie auch eventuell noch im Körper befindliche Leukämiezellen bekämpfen (Anti-Leukämie-Effekt).

Wie geht es dem Patienten, wenn er wieder zu Hause ist?
Viele Patienten können nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus ein fast normales Leben führen. Anfangs müssen sie jedoch einige Regeln befolgen. So sollte der Patient sich beispielsweise von größeren Menschenmengen fernhalten, um ein davon ausgehendes erhöhtes Infektionsrisiko zu vermeiden. Bei einigen Patienten kommt es zu lang andauernden Abstoßungsreaktionen wie z.B. Hautausschlägen, Haarausfall oder verminderter Speichel- und Tränenproduktion.

Was passiert, wenn kein passender Spender gefunden wird?
In diesem Fall muss versucht werden, dem Patienten durch andere Formen der Behandlung zu helfen. Je nach Art der individuellen Erkrankung werden vor allem die Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt. Bei vielen Patienten jedoch ist die Stammzelltransplantation die einzige Behandlungsmethode mit Aussicht auf Heilung.

Wie hoch sind die Heilungschancen durch eine Stammzelltransplantation?
Bei vierzig bis achtzig Prozent der transplantierten Patienten mit Stammzelltransplantationen verläuft die Behandlung erfolgreich. Die individuelle Überlebensdauer nach einer Transplantation hängt im Einzelfall vom Alter und Gesundheitszustand des Patienten, vom Zeitpunkt der Transplantation, von der Art der zugrunde liegenden Erkrankung und vom Auftreten möglicher Komplikationen ab.

Stand vom: 30.08.2010© Copyright 2008 DKMS