„Die schönste Erfahrung, die ich machen durfte!“ Anita über ihre Stammzellspende

24 September 2014

Bei der DKMS registrierte sich Anita bereits im Jahr 2007. Die Angestellte im Accounting war damals 27 Jahre alt. Ihre Registrierung wurde im Rahmen einer Betriebstypisierung bei ihrem damaligen Arbeitgeber durchgeführt. Bis zu der E-Mail mit der Nachricht, dass Anita für eine Stammzellspende in Frage käme, hatte die heute zweifache Mutter sich nicht besonders intensiv mit dem Thema Blutkrebs beschäftigt. Doch jetzt kamen ein paar Fragen auf. Anita und ihr Mann hatten sich gerade dazu entschlossen, ein weiteres Kind zubekommen.

Eine Stammzellspende war zu diesem Zeitpunkt nicht in ihrer Familienplanung berücksichtigt. „Natürlich war ich sehr glücklich, dass ich jemandem das Leben retten kann,“ so Anita. Die Fragen, die sich ihr und ihrem Mann stellten, waren vor allem, wie sich die Stammzellspende auf ihre Familienplanung auswirken würde und wann sie nach der Spende schwanger werden könnte. Auf der anderen Seite beschäftigten Anita aber auch andere Fragen: „Was wäre, wenn ich in dieser Situation wäre und auf einen Spender angewiesen wäre - oder meine 2-jährige Tochter?“ Schnell war für Anita klar: „Hier geht es um ein Menschenleben. Schwanger werden kann ich auch nach der Spende, dann ist es eben ein paar Monate später als geplant.“

Ich war glücklich, gesund zu sein und helfen zu können.

Ihr Mann stand die ganze Zeit hinter ihr. Ihr Gefühl sagte schon die ganze Zeit, dass sie mit der Spende das Richtige tun würde. Voller Überzeugung entschied Anita sich für die Stammzellspende. Vor der Spende informierte sie sich ausführlich und entwickelte ein Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, andere Menschen auf Blutkrebs und die Möglichkeiten ihn zu bekämpfen aufmerksam zu machen. Langsam rückte der Termin der Stammzellspende näher: „Ich dachte täglich an „meinen Patienten“. Wie geht es ihm? Ist es ein Erwachsener oder ein Kind? Ich war glücklich, gesund zu sein und helfen zu können.“

Die eigentliche Stammzellspende fand in Dresden statt. Bei Anita wurden die Stammzellen über den selteneren Weg der Knochenmarkspende entnommen. In 80% aller Fälle erfolgt die Stammzellspende peripher. Bei dieser Form der Spende werden die Stammzellen ambulant aus dem Blut gefiltert. Die Spende gleicht eher einer Dialyse. In seltenen 20% aller Fälle wird ein Gemisch aus Blut und Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen – so wie bei Anita. Vor dem Eingriff wurde Anita auf der onkologischen Station des Krankenhauses vorbereitet. Das Schicksal der jungen Frauen, die dort stationär behandelt wurden, berührte sie sehr. „Ich bin jetzt noch dankbarer über jeden Tag, an dem meine Familie und ich gesund sind,“ so Anita. In ihrem Fall war die Stammzellspende besonders spannend, denn ihre entnommen Stammzellen wurden nur wenige Stunden später „ihrem Patienten“ transplantiert.

Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, dass „mein“ Patient so jung ist.

Die Vollnarkose steckte Anita gut weg und auch die Schmerzen hielten sich in Grenzen. Als einzige Nebenwirkungen zeigte sich ein leichter Schmerz am unteren Rücken. „Es fühlte sich wie eine starke Prellung an,“ berichtete Anita nach der Stammzellspende. Kaum aus der Narkose erwacht wollte sie schon wissen, für wen sie gespendet hatte. Die DKMS teilte ihr mit, dass sie einem 1,5 Jahre alten Jungen aus der Slowakei Stammzellen gespendet hatte. Diese Nachricht beschäftigte die zweifache Mutter besonders: „Ich musste erst mal weinen. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, dass „mein“ Patient so jung ist.“

Anita nahm per Brief Kontakt zu ihrem Patienten und seinen Eltern auf. Dennoch wollte sie keine Antwort erzwingen. Ihr war klar, dass der Krankheitsverlauf für seine Eltern sehr schwierig sein musste. Die Antwort der Eltern sorgte daher umso mehr für Freude bei Anita. Der Antwortbrief enthielt sogar ein Foto des kleinen Kämpfers und auch der Hinweis auf ein Treffen nach der rechtlich geregelten Frist von zwei Jahren sorgte für große Freude. „Ich weiß ganz aktuell, dass es ihm mittlerweile sehr gut geht. Das freut mich am allermeisten.“

Ein paar Monate nach der Stammzellspende wurde Anita schwanger. Im Sommer darauf kam ihre zweite Tochter zur Welt, zwar etwas später als ursprünglich geplant, doch für Anita steht fest:„ Die Entscheidung, meine Wünsche und Pläne für das Leben eines anderen zurückzustellen war die schönste Erfahrung die ich machen durfte!“