Gemeinsam können wir grosses schaffen

Interview mit der Geschäftsführung Dr. Alexander Schmidt, Sandra Bothur und Sirko Geist über Entwicklung, Fortschritt und Visionen

25 Jahre DKMS - wie erklären Sie sich diese großartige Erfolgsgeschichte?
Dr. Alexander Schmidt: Die DKMS ist ja aus einem persönlichen Schicksal heraus entstanden. 1991 versprach unser Gründer Peter Harf seiner Frau Mechtild, ehe sie den Kampf gegen den Blutkrebs letztlich verlor, dass er alles dafür tun werde, anderen Patienten auf der Suche nach einem Stammzellspender zu helfen. Ausgehend von dieser Gründungsidee ist es zum Motor unserer Arbeit geworden, immer weiter nach neuen Wegen zu suchen, um noch mehr Betroffenen helfen zu können. Wir haben immer weiter gemacht und unser Ziel nie aus den Augen verloren.
Sirko Geist: Wenn man bedenkt, wie man damals angefangen hat - mit einer Handvoll motivierter Mitarbeiter im Hinterzimmer einer Arztpraxis - und wie groß wir heute sind, dann ist das eine tolle Entwicklung. Heute leisten mehr als 600 Mitarbeiter aus 20 Nationen an fünf Standorten in Deutschland, den USA, Polen, Spanien und UK einen wichtigen Beitrag für unsere medizinische Hilfe weltweit. Inzwischen sind wir eine internationale Organisation, in der jeder Mitarbeiter im Sinne der Patienten alles gibt.

GEMEINSAM KÖNNEN WIR GROSSES SCHAFFEN

Welche Ereignisse waren wichtig für diese Entwicklung?
Sandra Bothur: Zum einen der unbedingte Wille und der Pioniergeist der Gründergeneration, die sich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben wollte. Und das war eine echte Herausforderung. 1991 gab es gerade einmal 3000 registrierte Stammzellspender in Deutschland. Die Familie von Mechtild Harf wollte das Unmögliche möglich machen und hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihr Leben zu retten. Dann ist da auch die unglaubliche Bereitschaft der Menschen, Stammzellspender zu werden und ganz uneigennützig anderen das Leben zu retten - aus Solidarität und tiefem Mitgefühl. Und auch der medizinische und wissenschaftliche Fortschritt auf unserem Gebiet, den wir immer vorangetrieben und federführend mitgestaltet haben, hat dazu geführt, dass mehr Patienten schneller einen geeigneten Spender finden.

Was sind die prägenden Ereignisse in diesem „Jubiläumsjahr“ 2016?
Sandra Bothur: Sicherlich unsere Geburtstagsfeier in Berlin, in deren Rahmen sich Spender und ihre geheilten Patienten aus aller Welt erstmals treffen. Es sind unbeschreibliche Emotionen, die in diesen Momenten entstehen. Generell ist es uns in diesem besonderen Jahr aber ganz wichtig, zu betonen: Wir sind eine weltweite Organisation. Unser Engagement ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gefordert. Um das zu unterstreichen, haben wir ab diesem Jahr auch einen neuen Markenauftritt gewählt. Wir werden für alle sichtbar machen, dass wir noch mehr Verantwortung für das Thema Blutkrebs übernehmen, um Patienten in dieser Lebensphase als kompetenter Ansprechpartner zur Seite zu stehen. Schon heute stellt die DKMS weltweit 38 Prozent aller vermittelten Stammzellspenden.
Sirko Geist: Wir wollen auch noch vielfältiger helfen. Immer wieder erreichen uns Einzelschicksale und die Bitte von Patienten, sie bei der medizinischen Versorgung zu unterstützen, weil sie in ihrem Herkunftsland keinerlei Therapiechancen haben oder ihr Gesundheitssystem keine Kosten übernimmt. Wir haben in der Vergangenheit schon öfter unbürokratisch und schnell geholfen, zum Beispiel auch individuell unterstützt und im Rahmen unseres Hochrisiko-Programms Spendersuchen angestoßen. Zukünftig wollen wir uns noch gezielter und effizienter um Patienten kümmern - was uns mit der Unterstützung unserer Geldspender hoffentlich gelingt.

 

 

Haben Sie deshalb auch eine eigene Forschungseinheit gegründet?
Alexander Schmidt: Ja, das ist ein ganz wichtiger Baustein unserer Arbeit. Mit der DKMS Clinical Trials Unit in Dresden schließen wir eine Lücke in der Blutkrebsforschung und erarbeiten den wissenschaftlichen Hintergrund für Studien, die wir auf den Weg bringen. Ziel ist es, die Forschung besser zu fördern und das Ergebnis von Stammzelltransplantationen zu verbessern.

Gibt es jemanden, dem Sie besonders dankbar sind?
Sandra Bothur: Ja! All unseren Unterstützern, den registrierten Stammzellspendern sowie den Geldspendern können wir immer nur wieder von ganzem Herzen danken und sagen: Nur mit Eurer Hilfe können wir die Situation von Blutkrebspatienten aktiv verbessern und den Blutkrebs besiegen. Gemeinsam können wir Großes schaffen. Im vergangenen Jahr und auch in den ersten Monaten 2016 haben wir außerordentlich viele neue Spender hinzugewinnen können - das ist großartig und dafür sind wir unendlich dankbar. Aber wir hören nicht auf, zu helfen! Es gibt einfach zu viel zu tun, denn noch immer findet längst nicht jeder suchende Patient einen passenden Spender.

Mittlerweile sind über 6 Millionen Menschen bei der DKMS registriert. Reicht das noch nicht?
Sandra Bothur: Leider nein. Wir brauchen noch viel mehr Spender mit unterschiedlichen genetischen Wurzeln aus verschiedenen Herkunftsländern, um mehr Patienten helfen zu können. Vielfalt ist für unser Thema enorm wichtig. Und Jahr für Jahr scheiden natürlich auch Spender aus Altersgründen aus unserer Datei aus. Die gilt es zu ersetzen.

Was sind weitere Herausforderungen?
Dr. Alexander Schmidt: Da gibt es einige. Aber grundsätzlich ist die Pflicht einer Organisation wie unserer, immer wieder genau hinzuschauen, wo und in welcher Form Hilfe benötigt wird. Das tun wir sehr genau, um dann diese Hilfe auch immer öfter leisten zu können.

Was ist Ihnen dabei wichtig?
Dr. Alexander Schmidt: Wir wollen, dass Spender und Patienten wissen: Wir sind für sie da und wir bewegen etwas in ihrem Sinne. Wir sind entschlossen, alles dafür zu tun, dass in Zukunft mehr Menschen den Kampf gegen Blutkrebs gewinnen, über alle Grenzen hinweg. Wir wollen, dass unsere Arbeit wirkt. Deshalb wird unsere Mission immer weitergehen.

Inwieweit findet denn die DKMS auf die wachsenden Herausforderungen die richtigen Antworten?
Sirko Geist: Wir sind in den vergangenen Jahren noch professioneller geworden und suchen ständig neue Wege, uns zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist die Arbeit in unserem Labor, dem DKMS Life Science Lab in Dresden. Hier ist es uns gelungen, den Typisierungsprozess zu revolutionieren. Wir haben Prozesse optimiert, neue Technologien erprobt und sind heute in der Lage, viel mehr Spenderproben in kürzerer Zeit zu günstigeren Kosten zu analysieren. Man kann sagen: Wir sind als Organisation immer an den großen Aufgaben gewachsen und lernen immer weiter dazu. Das, was Sie erreichen wollen, können Sie das auf einen Begriff bringen? Dr. Alexander Schmidt: Fortschritt - durch Handeln. Eine bessere Zukunft für Blutkrebspatienten. Wir wollen den Blutkrebs besiegen.

Wie kann das gelingen?
Sandra Bothur: Bei uns dreht sich alles um Menschen. Wir glauben daran, dass wir viel erreichen können, wenn wir Menschen aus unterschiedlichen Bereichen miteinander verbinden. Das bringt nicht nur unser Thema, den Kampf gegen Blutkrebs, voran - das bringt uns alle, die gesamte Gesellschaft voran.