„Ich freue mich schon sehr, meine Patientin endlich kennen lernen zu dürfen!“ - Jasmina spendete zwei Mal Stammzellen an eine junge Frau aus Deutschland.

3 September 2014

Mein kleiner Bruder Hendrik hat mich vor etwa zwei Jahren zur Typisierung bei der DKMS gebracht. Gemeinsam haben wir uns das „Wattestäbchen-Set“ auf der DKMS-Website bestellt. Wangenschleimhautabstrich machen, Fragebogen ausfüllen, unterschreiben und schon waren wir ein Teil der DKMS-Familie.

Ein Jahr lang habe ich dann erst mal nichts mehr gehört. Bis auf einmal eine E-Mail in meinem Postfach war. Ich wurde gebeten, wegen einer möglichen Stammzellspende zurückzurufen. Erstmal standen für mich Fragen über Fragen im Raum. Am Telefon wurden meine Fragen beantwortet und auch die Aufregung konnte von der freundlichen Beraterin am anderen Ende der Leitung etwas gedämpft werden. Ob man tatsächlich für eine Stammzellspende in Frage kommt, kann erst nach einer Blutuntersuchung festgestellt werden.

Die Utensilien dafür kamen in den nächsten Tagen in einem Päckchen. Nach einem Besuch beim Arzt gingen die jetzt mit Blut gefüllten Utensilien in einem ebenso unscheinbaren Päckchen auf den Weg zum Typisieren. Danach hieß es erst einmal warten, ob ich wirklich zu „meinem“ Patient passe.

Damit hatte ich – trotz allem – nicht gerechnet.

Als dann endlich der Anruf kam, dass es bald losgehen könne, war ich völlig überrascht. Damit hatte ich – trotz allem – nicht gerechnet. In einem weiteren Telefongespräch erklärte man mir, was genau auf mich zu komme würde: eine Knochenmarksentnahme aus dem Beckenkamm. Das musste ich erst mal verarbeiten. Geholfen haben mir aber meine liebe Familie, meine Freunde und natürlich mein Freund. Er war auch gleich bereit, mit mir nach Dresden zu fliegen, wo die Knochenmarkentnahme vorgenommen werden sollte.

Am Tag der Voruntersuchung flog ich von München nach Dresden, um mich in der Uniklinik durchchecken zu lassen. Neben Blutuntersuchungen, Bauchultraschall und EKG hatte ich auch ein wirklich tolles Gespräch mit einem der Oberärzte. Er klärte mich nochmal genau über alle Risiken und Nebenwirkungen der Spende auf. Aber auch die Angst vor der Operation konnte er mir nehmen. Ermutigt flog ich noch am selben Tag zurück nach Hause.

Wenige Tage später erhielt ich erneut einen Anruf von der DKMS. Meine Spende musste um eine Woche nach hinten verlegt werden. Auch der Ort hatte sich geändert, es sollte nun nach Hamburg gehen.

Am Morgen ging unser Flieger von München nach Hamburg, so dass wir mittags schon „Klinik-frei“ hatten und noch genug Zeit für eine Stadtrundfahrt blieb. Die Aufregung konnte ich über den Tag noch ziemlich in Schach halten. Ich konnte sogar ganz gut im Krankenhaus schlafen, was bestimmt auch an den wirklich tollen Schwestern und Pflegern lag.

Der Morgen des Entnahmetages fehlt größtenteils in meiner Erinnerung, ich weiß nur noch, dass eine Frau in Grün sich über mich beugte und mir sagte, dass alles gut gelaufen sei. Dann war ich auch schon wieder auf meinem Zimmer. Schmerzen hatte ich allerdings keine und auch mein Mittagessen konnte ich schon wieder genießen.

Am nächsten Tag flogen wir auch schon wieder nach München. Von meinem genetischen Zwilling wusste ich bereits, dass er eine sie war. Sie war 29 Jahre alt und wohnte irgendwo in Deutschland.

Ich muss zugeben, dass ich schon ziemlich stolz auf mich war…

Nach einigen Wochen kam dann erneut ein Anruf von meiner Spendenkoordinatorin mit der Frage, ob ich nochmals Zellen spenden würde. Diesmal allerdings peripher über die Vene. Schnell gehen musste es auch noch, schon vier Tage später musste ich zur erneuten Voruntersuchung, diesmal in Frankfurt. Ausgerüstet mit einer Wochenration Spritzen und einem mulmigen Gefühl im Bauch fuhr ich zu meinen Eltern. Mir selber Spritzen geben ist gar nicht so mein Fall, doch mit einer Portion Überwindung und kleineren Schweißausbrüchen ging die Woche auch schnell vorbei. Nebenwirkungen der Medikamente hatte ich nur wenige, es fühlte sich an wie eine kräftige Grippe mit Gliederschmerzen und allgemeinem Schwächegefühl. Am Morgen der Entnahme fuhr ich mit meiner Mama nach Frankfurt. Im Krankenhaus wurde ich an eine Dialyse-ähnliche Maschine angeschlossen. Sechs Stunden stillsitzen fiel mir aber doch schwer. Ich war sehr froh, als ich endlich wieder aufstehen durfte. Am nächsten Tag dann die gleiche Prozedur nochmal - dann war es geschafft.

In den folgenden Wochen und Monaten habe ich viel an meinen genetischen Zwilling gedacht.

Ich hab mich oft gefragt, wie es ihr wohl geht und feste die Daumen gedrückt, dass sie sich auf dem Weg der Besserung befindet. Dann endlich kam die Nachricht, dass es ihr gut gehe und sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Diese Nachricht hat mich wahnsinnig gefreut. Ich hatte das Gefühl, dass da irgendwo in Deutschland eine junge Frau ist, der ich mich sehr nah fühle.

Ungefähr fünf Monate nach meiner Spende bekam ich den ersten Brief meiner Patientin. Nach den ersten Zeilen war ich schon so gerührt, dass mir ein paar Tränen über die Wange liefen. Ihr ging es gut, sie konnte den Sommer genießen und Pläne für ihr Leben schmieden. Das mit ihr teilen zu dürfen war ein unbeschreibliches Gefühl. In vielen Zeilen ihres Briefes fand ich mich wieder. Gemeinsam warten wir nun auf dem Ablauf der zwei Jahre, bis wir uns endlich auch persönlich kennenlernen dürfen.

Ich bin schon sehr gespannt.