Julas Weg zum Lebensretter - Teil 6: „ICH WURDE VON MEINEN GEFÜHLEN ÜBERWÄLTIGT!“

21 Juli 2016

In einem kleinen Serie berichtet Jula über ihren Weg zum Lebensretter. Von ihrer Registrierung bis zur tatsächlichen Spende. Der vorerst letzte Teil ihrer Geschichte handelt von der Zeit nach der unmittelbar nach der Entnahme der Stammzellen:

"Meine Knochenmarkspende liegt nun schon ein paar Tage zurück. Es ist alles super verlaufen! Am Tag der Spende wurde ich morgens früh geweckt und für die OP vorbereitet. Bis zuletzt war das alles so unwirklich. Ich konnte nicht glauben, dass das passiert! Meine Mutter und meine beste Freundin begleiteten mich noch bis zur Tür zum OP-Bereich und verabschiedeten sich dann von mir.

Jula: Ich war etwa 45 Minuten unter Vollnarkose, der Eingriff verlief ohne Komplikationen.

Ich war etwa 45 Minuten unter Vollnarkose, der Eingriff verlief ohne Komplikationen. Als ich im Aufwachraum lag, konnte ich gar nicht glauben, dass es schon vorbei ist! Ich bekam direkt Schmerzmittel und wurde dann wieder auf mein Zimmer gebracht. Am gleichen Tag hat auch ein anderer Spender in derselben Klinik‪ Stammzellen‬ gespendet. Es war schön, nicht alleine zu sein und sich mit jemandem austauschen zu können, der genau das gleiche durchmacht. Wir haben uns sehr gut verstanden und uns gegenseitig die Aufregung ein wenig genommen.

Viele fragten mich: „Wie geht es einem nach einer Stammzellspende?“ Ich muss sagen, dass ich am ersten Tag mit den Nebenwirkungen der Narkose zu kämpfen hatte. Es ist immerhin ein operativer Eingriff und da ist nun mal mit Nachwirkungen zu rechnen. Ich hatte ziemlich Kreislaufprobleme und war sehr wackelig auf den Beinen, was am nächsten Tag aber schon wieder vorbei war. Jeder reagiert anders darauf. Der andere Spender beispielsweise war direkt eine Stunde nach der Entnahme wieder fit auf den Beinen.

An der Stelle, an der das Knochenmark entnommen wurde (am Beckenkamm), hatte ich in den ersten drei Tagen Schmerzen. Die Schmerzen sind vergleichbar mit einem sehr starken Muskelkater oder mit einer Prellung. Also wirklich aushaltbar! Vor allem mit dem Hintergrund, damit ein Menschenleben gerettet zu haben, sind die Schmerzen nebensächlich und nach spätestens drei Tagen vorbei.

Jula: Viele fragten mich: „Wie geht es einem nach einer Stammzellspende?“

Der für mich emotionalste Moment kam, als ich etwa zwei Stunden nach der Entnahme bei der DKMS angerufen und von meiner Ansprechpartnerin erfahren habe, wer die Spende erhalten wird. Ich habe Alter, Geschlecht und Herkunftsland des Empfängers gesagt bekommen. Dieser Moment war unbeschreiblich. Ich habe einem kleinen Mädchen das Leben vielleicht gerettet! Ich kann es bis jetzt nicht glauben. Mir sind die Tränen übers Gesicht gelaufen und ich wurde von meinen Gefühlen überwältigt. Ich darf ab sofort anonym per Brief Kontakt zu der Familie aufnehmen und in zwei Jahren, wenn sie das auch möchten, darf ich sie kennenlernen! Das ist ein tolles Gefühl!

Es hat mich unglaublich gefreut, wie viele Leute im privaten Bereich wie auch auf Facebook mir alles Gute gewünscht haben! Jetzt bleibt nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass die Empfängerin meine Stammzellen gut annimmt und wieder gesund wird!

Jula: Ich kann euch nur empfehlen: Registriert euch als Stammzellspender!

Einen Tag nach der Spende wurde ich entlassen und durfte wieder nach Hause fahren. Dem anderen Spender und mir ist im Zug erst einmal bewusst geworden, was wir da gemacht haben.
Und es war so einfach! Ich kann euch nur empfehlen: Registriert euch als Stammzellspender! Vielleicht habt auch ihr eines Tages die Chance, jemandem das Leben zu retten! Und was gibt es Wichtigeres?

Ich möchte mich bei allen, die mich in dieser Zeit unterstützt haben und mich auf dem Weg begleitet haben, bedanken. Vor allem auch bei dem gesamten Team der DKMS, die mich von Anfang an super beraten und unterstützt haben! Ihr macht eine tolle Arbeit!"