„Jeder von uns kann Leben retten – Das Gefühl ist aussergewöhnlich!“

28 Juni 2017

Lara gehört zu den Spenderinnen, wo nicht alles so geklappt hat, wie im Regelfall. Trotzdem bereut sie ihre Spende keine Sekunde. In einem kleinen Bericht erzählt die Studentin über die Entnahme und was ihre größte Herausforderung bei der Spende war.

„Mitten im Stress um Bachelorarbeit, Seminararbeiten und Prüfungen vor dem Bachelor in Psychologie habe ich mit vielem gerechnet - jedoch nicht mit einem Anruf der DKMS. Mit 18 Jahren hab ich mich als Stammzellspenderin registriert und dann kam auf einmal der überraschende Anruf: Ich kam als Spenderin für einen Patienten in Frage! Sofort erklärte ich mich zu allen nötigen medizinischen Tests bereit.

Mit 18 Jahren registrierte sich Lara als Stammzellspender bei der DKMS.

Dann ging alles sehr schnell. Direkt wurde ein Termin zur Voruntersuchung gemacht. Ich sollte über die periphere Entnahmeart spenden. Bei dieser Entnahmeart ist keine Operation notwendig. In der Klinik in Ulm wurde ich sehr genau aufgeklärt und bekam nochmals Blut abgenommen. Nach unzähligen Fragen wurde ich dann mit vielen Informationen im Kopf und ein paar Spritzen im Gepäck entlassen. Ich hatte aber immer die Möglichkeit, bei Problemen oder Fragen die DKMS oder die Entnahmeklinik anzurufen. Kurz darauf bekam ich die Freigabe und der Entnahmetermin stand fest. Ich wusste, dass ich vier Tage vor dem Termin anfangen musste, mir das Wachstumshormon GCSF zu spritzen.

Kurz vor der ersten Spritze wurde ich etwas nervös. Ich behielt jedoch immer DAS große Ziel vor Augen: jemandem das Leben zu retten. Leider reagierte ich körperlich nicht gut auf die Spritzen und ich musste in Absprache mit der Klinik ein paar auslassen. Damit gehörte ich zu den zwei Prozent, die Probleme haben. 98% aller Spender haben gar keine Probleme. Letztendlich habe ich aber alle Symptome unter ärztlicher Betreuung ausgehalten. Immerhin ist einem bewusst, dass der Patient noch viel mehr durchmachen muss, um an diesen Punkt zu gelangen. Man sollte alles, was in der eigenen Macht steht tun, um zu helfen.

Stammzellspenderin Lara

Der Patient hatte eine unglaublich hohe Stammzellanforderung, sodass ich den ersten Tag sechs Stunden und am zweiten Tag knapp vier Stunden am Zellseparator hing. Auch hier gehörte ich zu den ungefähr zehn Prozent, die an zwei Tagen spenden müssen. In den meisten Fällen reicht ein Tag für die Entnahme. Wenn man einmal angeschlossen ist, spürt man die Entnahme eigentlich nicht mehr. Ich schaute die Zeit über Filme oder hab mich von meiner Begleitung füttern lassen. Sechs Stunden nicht auf Toilette zu gehen, war die größte Herausforderung.

Sechs Stunden nicht auf Toilette zu gehen, war die größte Herausforderung.

Die Ärzte vor Ort haben sich sehr gut gekümmert und hatten immer ein Auge auf mich, sodass wirklich nichts passieren konnte. Meine Stammzellen sind derweil bei einem erwachsenen Mann in den USA der an Leukämie erkrannkt ist. Ich hoffe sie nehmen dort ihre Arbeit auf – und wenn nicht, dann bin ich immer zu einer weiteren Spende bereit.

Alles was man in Kauf nimmt, ist nichts im Vergleich zu dem, was der Patient durchmacht. Die Erschöpfung und Anstrengung der Spende gehen vorüber, wenn man weiß, dass eine Familie die Chance hat, gemeinsam weiter zu leben. Jeder von uns kann Leben retten und das Gefühl, dazu beizutragen, ist außergewöhnlich. Jeder, der gesund ist, sollte sich als Spender registrieren. Leben retten kann so einfach sein! Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein!