Jo: „Wow, man kann das Leben eines Fremden auf der anderen Seite des Planeten retten!“

17 September 2018

Jo registrierte sich im Frühjahr des letzten Jahres als Stammzellspender bei der DKMS. Anlass war die Erkrankung eines jungen Mannes, für den eine Registrierungsaktion veranstaltet wurde. Viele Fußballvereine beteiligten sich. Die Atmosphäre war super und man spürte deutlich den Zusammenhalt - trotz der sportlichen Rivalität. Kurze Zeit später sollte es für Jo schon so weit sein. Nach einem Urlaub wartete ein Brief der DKMS im Briefkasten. Jo erinnert sich noch sehr gut an diesen Moment:

Meine Familie und ich kamen gerade von einer Kreuzfahrt im Mittelmeer nach Hause, als mein Bruder und ich Post erhielten und wir die Info bekamen, dass wir beide als potentielle Spender in Frage kommen. Dass man sich nach der Registrierung grundsätzlich zu einer Spende zur Verfügung stellt, gerät schnell in Vergessenheit. Mit dem Brief der DKMS hat sich das umgehend geändert und plötzlich wurde mir bewusst, wie schnell alles gehen kann.

Jo und sein großer Bruder kamen für einen Patienten als Stammzellspender in Frage.

Nachdem ich die „Überraschung“ verarbeitet hatte, habe ich realisiert, dass ich unter Umständen tatsächlich jemandem das Leben retten kann. Ich habe mich riesig gefreut und gehofft, dass alles klappt. So hat es sich dann auch herausgestellt, ich konnte sämtliche Voruntersuchungen, Gesundheitschecks und die Gespräche erfolgreich absolvieren. Warum auch immer passten meine Werte wohl besser zum Patienten als die meines großen Bruders und so wurde ich auf die Spende vorbereitet.

Nachdem alle Voruntersuchungen stattgefunden hatten und der Termin für die Spende festgelegt war, stieg die Anspannung in mir. Und sie stieg mit jedem Tag. Ich habe mich in dieser Zeit sehr intensiv mit der Erkrankung und dem Drumherum beschäftigt. Es ist furchtbar zu sehen, wie schnell ein Leben auf den Kopf gestellt werden kann.

Rund zwei Wochen vor der geplanten Spende erhielt ich die Info, dass die Spende um eine unbestimmte Zeit verschoben werden müsse, da der Gesundheitszustand meiner Patientin leider sehr instabil war und eine Spende ihrem Körper zu sehr an die Substanz gehen würde.

Ich bekam es mit der Angst zu tun und ich fürchtete, dass ich vielleicht nicht mehr die Möglichkeit bekommen würde, ihr eine Chance auf ein neues Leben zu geben. Ein paar Wochen später kam dann Gott sei Dank die Meldung, dass der Zustand wieder besser ist und die Spende durchgeführt werden kann. Man, war ich erleichtert!

Nach dem Urlaub wartete schon Post von der DKMS auf Jo.

Je näher die Spende rückt, desto mehr Gedanken macht man sich. Klappt alles? Bin ich wirklich komplett gesund und in der Lage, mit meinen Zellen ein Leben zu retten? Kurz vor der Spende musste ich mir für ein paar Tage lang Spritzen mit Wachstumshormonen verpassen. Angenehm ist das nicht und mein Körper hat mit Schmerzen auf die Hormone reagiert, mit Ibuprofen war es jedoch auszuhalten. Mir war bewusst, dass mein Leiden ein Witz ist, verglichen mit dem, was meine Patientin tagtäglich durchstehen muss.

Jo denkt sehr oft an "seine Patientin".

Dann ging es endlich in die Entnahmeklinik und die Spende konnte wie geplant durchgeführt werden. Während des Eingriffs hielt ich mich mit Filmen und netten Gesprächen mit anderen Spendern und dem Pflegepersonal bei Laune. Ich schaute oft auf die Maschinen und dachte mir „Wow, man kann das Leben eines Fremden auf der anderen Seite des Planeten retten? Verrückt, welche Möglichkeiten es gibt!“.

Nach der Spende und der Information, dass mir genügend Stammzellen entnommen werden konnten, war ich unfassbar erleichtert. Alles war sehr anstrengend und kräftezehrend - aber die Glücksgefühle überwogen! Ich wusste, dass ich mein Bestes gegeben hatte und dass der restliche Prozess nicht mehr in meiner Hand liegt. Deshalb kann ich nur hoffen und beten, dass der Körper meiner Patientin auf meine Zellen anspringt.

Ich denke sehr oft an meine Patientin. Ich würde so gerne wissen, welcher Mensch dahinter steckt und wie der Heilungsprozess verläuft. Mein anonymer Brief ist bisher unbeantwortet, aber ich bin guter Dinge, dass sie sich meldet, sobald ihr Gesundheitszustand weitestgehend stabil ist.

An alle Menschen, die noch unentschlossen sind: Lasst euch registrieren!

An alle Menschen, die noch unentschlossen sind: Lasst euch registrieren! Unfassbar viele Menschen erhalten Tag für Tag eine schreckliche Diagnose, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Unterstützt die DKMS und die vielen Patienten mit ihren Familien und Freunden. Die DKMS kümmert sich super um uns Spender und die Organisation ist top! Und glaubt mir eins: Die Zeit und die Schmerzen, die ihr opfert, zahlt sich sowas von aus, denn es verändert dein Leben, wenn du die Tatsache erkennst, dass du mit minimalem Aufwand jemandem ein neues Leben schenken kannst.