„Alles richtig gemacht“ Michaels Stammzellspende für Ronan

14 Februar 2017

Vor mehr als 20 Jahren registrierte sich Michael zusammen mit seiner Frau Monika als Stammzellspender. Vor sechs Jahren war es dann soweit: Sein genetischer Zwilling brauchte Hilfe. Der kleine Ronan aus Südkalifornien war dringend auf Michaels Stammzellspende angewiesen. Für Michael war klar, dass er helfen würde:

„In Löningen wurde vor 20 Jahren für einen kleinen Jungen ein Stammzellspender gesucht. Wir haben uns damals über die Blutentnahme als Stammzellspender registriert. Heute geht mit den bekannten Wattestäbchen alles ja auch wesentlich einfacher. Der Junge von damals hat es leider nicht geschafft. Aber dadurch, dass wir uns registriert haben, konnte ich einem anderen kleinen Jungen helfen, Ronan!

Mir wurden die Stammzellen unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm entnommen. Es waren einige Voruntersuchungen notwendig, um zu prüfen, ob ich auch überhaupt geeignet war. Als Spender hat man das Gefühl, sehr bevorzugt behandelt zu werden. Man wird sogar für einige Tage krankgeschrieben. Aufgrund der geringen Menge Stammzellen, die mir entnommen wurden, hatte ich so gut wie keine Beschwerden. In den meisten Fällen (80%) werden die Stammzellen über die sogenannte "periphere Stammzellspende" aus der Blutbahn entnommen. In wenigen Fällen (20%) werden, wie bei mir, die Stammzellen direkt aus dem Knochenmark entnommen. Bei mir war es wirklich keine große Sache, sondern eher wie ein Kurzurlaub. Es bleiben nur zwei kleine Punkte am Beckenkamm zurück.

Michael und Ronan mit ihren Familien.

Ich weiß noch genau, wie ich bei der DKMS anrief, weil bei uns kurz vor dem recht spontanen Spendentermin das Schützenfest anstand. Am Abend der Spende war ein Fluglotsenstreik und es war unsicher, ob meine Stammzellen überhaupt ausgeflogen werden könnten. Im Krankenhaus kam leichte Panik auf. Schließlich lag „mein Patient“ ja schon vorbereitet und quasi ohne Immunsystem in der Klinik. Bei jedem Streik der Fluglotsen muss ich mich nun an diesen Tag erinnern.

Die Blickwinkel ändern sich mit der Zeit: Ronan hat 2011 im Alter von drei Jahren die Spende bekommen. Mein Sohn Linus ist jetzt genauso alt wie Ronan. Als ich das durch den Anruf bei der DKMS erfuhr, flossen bei mir sofort die Tränen. Linus spielte gerade kerngesund und zum ersten Mal in diesem Jahr im Planschbecken. Gleichzeitig hatte Ronan gerade den schwersten Kampf seines Lebens. Das war hart! Das Gefühl, durch meine Spende jemandem geholfen zu haben, ist unbeschreiblich schön. Direkt nach der Spende hat man die Möglichkeit, Alter, Land und Geschlecht des Spenders zu erfahren. Ich habe einige Tage gewartet und mich gefragt, ob ich es überhaupt wissen möchte. Schließlich geht man auch eine Art Bindung mit „seinem Patienten“ ein. Was ist, wenn es nicht klappen sollte? Später stellte sich heraus, dass ich der einzige Mensch war, bei dem die Gewebemerkmale überhaupt passten und so auch die einzige Chance für Ronan. Also: Alles richtig gemacht.“

Stammzellspender Michael mit Patient Ronan

Im zweiten Teil der Geschichte erzählt Michael über das erste Treffen mit dem kleinen Ronan.

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