Geänderte Aufnahmekriterien

22 Januar 2015

Die vom Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) herausgegebenen „Deutschen Standards für die nicht verwandte Blutstammzellspende“ verstehen sich als Grundlage für die Zusammenarbeit und eine einheitliche Vorgehensweise in diesem Bereich. Sie werden im ein- bis zweijährigen Turnus von einer durch das ZKRD einberufenen Kommission überprüft und überarbeitet, um die bestehenden Prozesse zu optimieren und dem Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik anzupassen. In dieser Kommission sind die Kooperationspartner und die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften vertreten. Die anschließende Konsensfindung und Abstimmung stellt sicher, dass die vorgesehenen Änderungen und Ergänzungen auf einer breiten Zustimmung basieren. Die Version 10 dieser Standards wurde vom ZKRD im Dezember 2014 in Kraft gesetzt und veröffentlicht.

Die aktuelle Aufmerksamkeit richtet sich auf eine Streichung bei den Kriterien für die Aufnahme eines neuen Spendewilligen in eine mit dem ZKRD kooperierende Spenderdatei. Damit entfällt künftig die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe im Sinne der Hämotherapie-Richtlinien, die unter anderem für Homosexuelle ein erhöhtes Infektionsrisiko für sexuell übertragbare Erkrankungen sehen. Hintergrund ist, dass derzeit von den zuständigen Behörden und Gremien auf nationaler und EU-Ebene die Definition der Risikogruppen diskutiert und dabei auch das Sexualverhalten eines Spenders als Risiko für einen Empfänger neu bewertet wird.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die tatsächliche Spende von Knochenmark oder peripheren Blutstammzellen bleiben allerdings davon grundsätzlich unberührt. Die definitive Beurteilung der Spendereignung (nicht jeder potenzielle Spender wird irgendwann auch tatsächlich spenden) orientiert sich in Deutschland immer an den zum Zeitpunkt der Spende gültigen Rechtsvorgaben. Diese basieren unter anderem auf den „Hämotherapie-Richtlinien“ und der „Richtlinie zur Herstellung und Anwendung von hämatopoetischen Stammzellzubereitungen”. In beiden Richtlinien ist festgelegt, dass bei der Beurteilung der Eignung zur Spende von Knochenmark und Blutstammzellen aufgrund ärztlicher Entscheidung nach individueller Risikoabwägung von einzelnen Voraussetzungen der Spendereignung abgewichen werden kann, wodurch unter anderem auch Homosexuelle von der eigentlichen Spende von Knochenmark und peripheren Blutstammzellen nicht generell ausgeschlossen sind.