Sandras Kampf gegen den Blutkrebs

„Ich habe mir immer gesagt, ich schaffe das!“ - Sandras Geschichte hat bereits viele Menschen auf unserer Facebook Seite bewegt. Im letzten Jahr bekam Sandra die schockierende Diagnose Leukämie. Seit dem ging es bei ihr auf und ab. Sie musste das gesamte Behandlungsprogramm mitmachen, von mehrfachen Chemotherapien bis hin zu einer Stammzelltransplantation. Sandra hat nie die Hoffnung aufgegeben. Ihr einziges Ziel in dieser Zeit war, wieder gesund zu werden.

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Diagnose: Leukämie

Heute geht es ihr gut. Dass es ihr wieder gut geht und sie sich schon wieder auf ihren bevorstehenden Wiedereinstieg in den Beruf als Kindergärtnerin freuen kann, hat sie der erfolgreichen Stammzelltransplantation zu verdanken. Im Folgenden erzählt Sandra ihre bewegende Geschichte. Ihre Geschichte macht sicherlich vielen anderen Patienten Mut und zeigt unseren registrierten Spendern, wie wichtig es ist, als Stammzellspender registriert zu sein. Denn eine Stammzellspende kann ein Leben retten!

Sandras Kampf gegen den Blutkrebs

„Alles fing letztes Jahr an. Am Anfang schien alles harmlos zu sein: Erkältung hier, Entzündung dort. Keiner dachte an etwas Schlimmes. Ich bin von einem zum anderen Arzt, doch keiner hat was gefunden. Irgendwann bekam ich tierische Rückschmerzen, bekam Massagen und Muskel-Entspannungsspritzen, doch alles hat nichts geholfen - im Gegenteil es wurde immer schlimmer.

Bis ich dann am 22.07.13 vor Schmerzen auf der Arbeit zusammen gebrochen bin. Am selben Tag sind meine Familie und ich ins Krankenhaus nach Offenbach. Dort wurde festgestellt, dass ich Fieber habe und etwas mit meinem Blut nicht stimmt. Sie behielten mich gleich da, doch wir alle wussten nicht was los ist. Die Ärzte untersuchten mich auf alles Mögliche. Am 24.07.13 kam der Oberarzt auf mich zu und meinte, dass er eine Punktion durchführt. Ich wusste nicht, was das ist. Die Punktion wurde am selben Tag noch durchgeführt unter Narkose und ein Tag später am 25.07.13 kam die Diagnose, dass ich Leukämie (AML) habe. Es war ein Schlag ins Gesicht, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht genau wusste, was es ist.

Ich wusste nur: Es ist nichts Gutes. Ich habe vor Angst geweint, weil ich nicht wusste, was mit mir passiert. Ich sollte am selben Tag noch in die Uni Klinik nach Frankfurt verlegt werden, meine Mutter hat mich begleitet. Alle waren sehr betroffen von der Nachricht, mein Freund und meine Schwester haben alles auf der Arbeit liegen gelassen und sind sofort zu mir gekommen. Ich wurde am selben Abend noch Isoliert. Am 25.07.13 war für mich ein Höllen-Tag, ich wurde wieder punktiert, diesmal ohne Narkose. Es wurde bei mir 7 Mal gezogen, es waren so Schmerzen, dass ich alles zusammen geschrien habe und vor Schmerzen geweint habe. Selbst mein Freund musste weinen, da er mit dabei war und mir nicht helfen konnte.

Die erste Chemotherapie

Ab da nahm alles seinen Lauf. Ich bekam noch am selben Tag die Chemo. Diese Chemo lief 7-Tage 24 Stunden in mich rein - Ohhh mein Gott es war nicht schön. Ich musste brechen, hatte hohes Fieber bekommen. Durchfall ohne Ende. Ich hatte Angst - richtige Angst. Doch ich habe mir immer gesagt ich SCHAFFE das…“

Die erste Chemotherapie

Durch die Chemo war ich ziemlich müde und habe viel geschlafen. Deshalb habe ich manchmal gar nicht mit bekommen, dass meine Familie da war. Doch sie haben immer an meinem Bett gesessen und mir meine Hand gehalten.

Ich musste während der Chemo auch sehr viele Tabletten schlucken, was mir gar nicht so leicht gefallen ist, doch ich habe es gemacht- Augen zu und durch.Obwohl es nicht einfach war und ich sehr große Angst hatte, habe ich nie meinen Humor vergessen und hatte weiterhin nur Blödsinn im Kopf. Denn die Zeit im Krankenhaus war nicht gerade kurz, man muss das Beste daraus machen. Doch als die Chemo vorbei war, ging es mir körperlich sehr gut. Doch es fing an, dass meine Haare langsam ausgefallen sind - was ziemlich weh tat. Doch abschneiden wollte ich sie nicht, da ich gehofft habe, dass sie nicht ausfallen.

Schnell wurde klar, dass ich eine Stammzellspende benötige, um zu überleben. Als ich dies erfuhr wurde meine Angst noch größer, denn mir wurde klar, dass ich sterben könnte. Ich habe zu den Engeln gebetet, dass sie mich begleiten sollen und auf mich acht geben. Ich habe auch immer an meinen Wünschen und Zielen festgehalten. Es wurde wieder eine Punktion durchgeführt, um zu schauen, wie viele Krebszellen im Knochenmark sind. Das Ergebnis war nicht schön - die Prozentzahl war noch ziemlich hoch. Deshalb sagten die Ärzte, dass ich eine zweite Chemo brauche, da die erste nicht angeschlagen hat.

Die zweite Chemotherapie

Da am 12.08.13 die nächste Chemo anstand, beschloss ich am 11.08.13 meine Haare abzurasieren. Es wurden drei Zöpfe gemacht, als Erinnerung an meine Haare. Diese Zöpfe bekamen dann meine Mama, Schwester und mein Freund. Die Entscheidung war nicht gerade einfach für mich, dies machen zu lassen. Doch es war auch nicht schön, jeden Morgen aufzuwachen und büschelweise Haare im Bett zu haben. Deshalb kamen sie ab. Meine Mutter hat die Zöpfe abgeschnitten und in eine Tüte getan.

Die zweite Chemotherapie

Sie musste auch weinen, denn für sie war es keine leichte Aufgabe, mir die Harre ab zuschneiden. Auch ich musste währenddessen so weinen, es tat mir so weh. Ich sah völlig anders aus, als wäre ich das gar nicht im Spiegel - ich war optisch eine andere Person. Nun war es so weit, ich bekam die zweite Chemo wieder 7 Tage lang. Die hat mich ziemlich außer Gefecht gesetzt. Ich bekam Schüttelfrost, habe am ganzen Körper gezittert hatte ihn nicht unter Kontrolle.

Er machte einfach was er wollte. Er machte es so stark, dass ich sogar in Ohnmacht gefallen bin. Die Ärzte kamen sofort angerannt. Es wurde ein CT vom Kopf gemacht, um zu schauen, ob ich Hirnbluten hatte. Doch Gott sei Dank war alles ok. Mein Körper war einfach schwach. Während der Chemo bin ich immer mit meiner Mutter, Schwester, Freund und Freunden auf dem Gang spazieren gewesen. Es war ziemlich anstrengend, da ich ja kaum Kraft hatte und nach ein paar Metern schlapp war. Doch wir haben es, wenn es mir gut ging, jeden Tag gemacht. Doch an einem Tag ging alles drunter und drüber, ich dachte: Okay, es ist vorbei. Ich hatte auf einmal durch die Chemo starke Blutungen bekommen, ich hatte Blut im Stuhl. An diesem Tag, war meine Mutter den ganzen Tag bei mir.

Die Blutung wurde immer und immer stärker, es hat einfach nicht aufgehört, und mein HB-Wert fiel immer mehr in den Keller. Ich habe mich vor Angst an meine Mutter geschmiegt und gesagt: Ich will nicht sterben. Die Ärzte haben überlegt, mich auf die Intensiv-Station zu verlegen, da sie dort schneller reagieren könnten, falls der HB weiter fallen würde. Doch wie durch ein Wunder hat sich alles stabilisiert, sodass ich nicht auf die Intensiv-Station musste. Ich war erleichtert, aber trotzdem voller Angst.Selbst meinen 29. Geburtstag am 5.9. habe ich im Krankenhaus verbracht. Wie jeden Tag war meine Mama wieder da. Wir haben den Tag so gut wie es geht gestaltet. Meine Schwester und mein Freund kamen dann auch noch. Wir haben Karten gespielt und Kuchen gegessen. Doch es war trotzdem ein komisches Gefühl.

Eine gute Nachricht

Doch die Ärzte hatten auch eine Überraschung für mich an diesem Tag. Der Arzt kam mit einem Lachen in das Zimmer und brachte mir die Nachricht, dass ein passender Spender gefunden wurde. Ich war so glücklich darüber, dass ich vor Freunde geweint habe und dem Arzt um den Hals gefallen bin. Kurz darauf wurde ich für 3 Wochen entlassen...

Eine gute Nachricht

Doch in diesen 3 Wochen, musste ich zu vielen Ärzten gehen, um mich für die Transplantation durchchecken zu lassen. Ich musste von einem zum anderen Arzt: Zahnarzt – Frauenarzt – Augenarzt, und das alles mit kurzfristigen Terminen.

Doch alle Untersuchungen waren sehr gut. Also stand der Transplantation nichts im Wege. Doch in der Zeit als ich zu Hause war habe ich auch viel gemacht, um mich etwas abzulenken, denn der Gedanke, dass ich sterben könnte, war ziemlich groß und die Angst holte mich oft ein. Deshalb wurde oft gemeinsam mit der Familie gegessen, oder ich bin mit meiner Mutter einfach in die Stadt, um mich abzulenken. Auch meine Schwester kam oft zu mir, und wenn sie da war haben wir nur Blödsinn gemacht. Es wurden auch regelmäßig Spieleabende mit Freunden gemacht.

Dies hat mir immer sehr großen Spaß gemacht und meine Gedanken waren für diese Zeit weg. Doch in dieser Zeit musste ich auch in die Uni Klinik zur Kontrolle. Es wurde sogar wieder eine Punktion durchgeführt. Diese Punktion würde entscheiden, ob ich eine Bestrahlung brauche oder nicht. Doch leider war das Ergebnis nicht gut: Ich musste bestrahlt werden, da die Krebszellen sich vermehrt haben. Die 3 Wochen gingen ziemlich schnell rum, schneller als ich gedacht habe. Kurz darauf war es wieder so weit: Ich musste zurück ins Krankenhaus.

Die Vorbereitung zur Stammzelltransplantation

Im Krankenhaus ging alles so schnell, ich konnte nicht mal darüber nachdenken was passierte. Ich wurde eingeschleust. Ich dachte: Oh Gott, was passiert mit mir in diesem Zimmer. Ich dachte ich liege unter einem Zelt, komplett isoliert. Doch als ich in das Zimmer trat, sah ich, es war ein ganz normales Zimmer.

Die Vorbereitung zur Stammzelltransplantation

Ich musste mich dann 30 Minuten mit einem Mittel duschen und gleich im Anschluss wurde mir der ZVK (Zentraler Venen Katheter) gelegt. Zum Glück war meine Mama da, denn ich hatte Angst. Sie nahm meine Hand und beruhigte mich.

Einen Tag später begann die Hammer Chemo. Ich habe nur geschlafen doch sonst ging es mir relativ gut. Kurz darauf bekam ich zusätzlich noch das Hasen-Serum, dieses Serum war dafür, dass mein Immunsystem komplett runtergefahren wird. Dieses Serum hat ganz schön reingeschlagen, ich hatte einen Blutdruck von 80/40, war völlig weg getreten und habe nichts mehr wahrgenommen. Ich war 3 Tage nicht in der Lage, selbstständig auf Toilette zu gehen, da ich nicht laufen konnte. Mir wurde eine fahrbare Toilette neben mein Bett gestellt.

Meine Mutter, Schwester und Freund mussten mir darauf helfen, da ich nicht die Kraft hatte, mich darauf zu setzten. Doch zum Glück hat sich das alles stabilisiert. Doch ich musste sehr viel brechen - es war einfach nicht schön. Dann kam zwei Tage vor der Transplantation die Bestrahlung, die zweimal am Tag für 15 min durchgeführt wurde. Im Großen und Ganzen habe ich die Bestrahlung gut vertragen, außer dass ich ein wenig müde war.

Der erste Tag des neue Lebens

Dann kam endlich der ersehnte erste Tag meines neuen Lebens. Ich war den ganzen Tag ziemlich nervös und auch Angst machte sich in mir breit, da ich wusste, was alles während und nach der Transplantation passieren kann. Meine Mutter kam mich an diesem Tag schon sehr früh im Krankenhaus besuchen. Gegen Mittag kamen auch mein Freund und Schwester zu mir. Es wurde an diesem Tag eine Ausnahme gemacht, sodass drei Besucher im Zimmer sein durften.

Der erste Tag des neue Lebens

Nun war es soweit, ich wurde fertig gemacht für die Transplantation, ich bekam ein Blutdruckmessgerät und ein EKG angeschlossen. Ich war ziemlich nervös. Nun war es genau 21:00 Uhr und der Arzt kam mit meinen Spenderzellen in mein Zimmer. Es war ein sehr emotionaler Augenblick.

Meine Mutter, Schwester und Freund mussten mit mir weinen. Ich habe am Anfang jeden Tropfen gezählt und sagte: „Ich werde wieder Gesund und werde Leben!“ Meine Mutter, Schwester und mein Freund haben mir sehr lange die Hand gehalten und sich mit mir gefreut. In diesem Augenblick, in diesem wundervollen Moment, waren viele Gedanken, von Freunden und Kollegen, bei mir und sie haben mitgefiebert. Es ist mein zweites Leben und es ist ein schönes Gefühl, zumal man dem Tod ins Auge geblickt hat. Meine Mutter und Schwester haben sich für diesen Tag etwas schönes ausgedacht: Da es mein zweiter Geburtstag ist, wurde er auch gefeiert.

Mit Kuchen und Geschenken. Da die Transplantation über 4 Stunden ging und ich so nervös war, durfte meine Mutter mit mir die Nacht verbringen. Es hat mir richtig gut getan, ich war ruhiger, da ich wusste, meine Mama ist da, so wie sie es immer ist. In der Nacht um 2 Uhr war dann alles vorbei und ich wurde von den Geräten abgehängt. Am Morgen kamen dann die Schwestern und Ärzte zu mir und gratulierten mir. Ab da war das Warten angesagt, ob ich die neuen Stammzellen annehme und dass die Leukos steigen.“

Das lange Warten

Da die Zeit ziemlich lang und auch langweilig war, habe ich mich in dieser Zeit mit Fernsehen, Musik hören und Malen beschäftigt. Da das Zimmer so kahl und leer war, dachte ich mir, es ein wenig mit Farbe zu gestalten und fing an Bilder, aufs Blatt zu bringen.

Das lange Warten

Doch die Zeit verging langsamer, als ich dachte. Das warten auf die Zellen war das schlimmste, da man immer am hoffen ist, dass alles gut geht und sie kommen. Irgendwann musste mein Zentraler Venen Katheter raus, da sich ein Keim eingenistet hat und dies wäre für mich nicht gut gewesen, also wurde mir ein Venenzugang gelegt.

Doch leider waren diese nie lange in meinen Venen, da immer die Flüssigkeit ins Gewebe gelaufen ist, da meine Venen zu schwach waren und dies war immer ziemlich schmerzhaft. Die Ärzte schauten jeden Tag meinen Körper und Mundraum an, ob ich eine Abstoßungsreaktion habe, doch Gott sei Dank war nichts zu sehen.

Die Entlassung aus dem Krankenhaus

Dann war es soweit: Am Tag +16 sind meine Leukos eingeschlagen wie eine Bombe und ich durfte nach einer langen Zeit mein Zimmer verlassen. Meine Mutter und ich sind langsam mit kleinen Schritten den Gang hoch und runter gelaufen…. Ohh war das anstrengend. Doch nach Hause durfte ich noch lange nicht, es war schon hart, so lange von Familie und Freund weg zu sein. Doch sie sind ja jeden Tag gekommen. Die Leukos sind gestiegen und gestiegen, was alle sehr freute und mein Wohlbefinden wurde besser.

Sandra nach dem Krankenhaus

Ich wurde dann im November endlich entlassen und durfte nach Hause. Ich habe mich sooo gefreut. Doch die Zeit nachdem Krankenhaus war nicht gerade schön, ich hatte Höhen und Tiefen.

Ich musste oft brechen, nahm viel ab und bekam eine Pilzinfektion im Rachen- und Magenraum. Durch Tabletten wurde es behoben. Da ich nicht wirklich wohin durfte, wegen Infektionsgefahr, war ich überwiegend zu Hause. Doch Anfang Dezember sind meine Mutter und ich ins Ring Center in Offenbach und haben einen kleinen Bummel gemacht, damit ich mal raus gekommen bin. Doch es war ziemlich hart für mich, da die Leute mich anschauten, als ob ich ansteckend bin.

Es tat ziemlich weh und dies ist heute noch so. Man ist nicht mehr so wie man war, optisch zumindest, damit muss man erstmal klar kommen, was aber nicht so einfach ist. Doch ich bin mit Kopf nach oben durch gelaufen und dachte mir nur: Seid froh, dass ihr es nicht habt. Aber wie gesagt: Weh getan hat es ziemlich. Da man sich selber im eigen Körper nicht mehr wohl fühlt, weil er einfach anders ist. Aber man muss das Beste draus machen.

Die Zeit nach der Stammzelltransplantation

Nachdem ich entlassen wurde musste ich alle zwei Tage zur Kontrolle in die Uni Klinik nach Frankfurt, das war immer sehr anstrengend. Auch die Knochenmarkpunktion wurde bei mir ambulant durchgeführt.

Die Zeit nach der Stammzelltransplantation

Davor habe ich immer sehr große Angst, aber bis jetzt sind die Werte alle sehr gut, und es wurden keine Krebszellen gefunden, was mich und meine Familie immer sehr freut. Auch meine Haare sind schon ziemlich lang geworden, was mich persönlich sehr freut.

Bald geht es auch in die Reha, da werde ich dann wieder fit gemacht. Ich hoffe dann auch endlich wieder arbeiten gehen zu dürfen und meine kleine Mäuse im Kindergarten zu sehen und dann alles hinter mich zu lassen.“

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