„Ich würde jederzeit wieder spenden.“ – Jens Reinemer über seine Lebensspende

8 Januar 2014

Ich habe mich 2012 bei einer öffentlichen Aktion im Berufsschulzentrum Wiesbaden bei der DKMS registriert. Den Tag, an dem ich die Nachricht erhielt, dass ich als Spender in Frage komme, werde ich nie vergessen. Ich war auf der Arbeit und habe durch einen Anruf meiner Mutter erfahren, dass ein Paket der DKMS angekommen ist. Sie hat es dann direkt für mich aufgemacht und mir alles vorgelesen. Mein erster Gedanke war GEIL - du kannst jemand helfen und das schon knapp ein Jahr nach der Registrierung. Natürlich ging direkt eine SMS an meine Familie raus, aber sonst habe ich es noch geheim gehalten, bis ich sicher sein konnte, dass ich tatsächlich der passende Spender bin. Von diesem Zeitpunkt bis zur Stammzellspende im September 2013 hatte ich bei der DKMS einen persönlichen Ansprechpartner, der sich um die komplette Planung der Spende kümmerte.

Es war von Anfang an unglaublich, dass es einen genetischen Zwilling von mir gibt.

Anfang September bin ich am frühen Morgen vom Wiesbadener Hauptbahnhof mit dem ICE nach Köln gefahren. Als ich bei der Entnahmeklinik Cellex ankam, wurde ich sehr freundlich vom Personal empfangen. Nachdem ich dort alle Untersuchungen erfolgreich überstanden habe, ging es weiter in die Klinik. Dort gab es weitere Untersuchungen und ein Abschlussgespräch mit einem für mich zuständigen Arzt. Alle Untersuchungen sind gut verlaufen, was mir auch in der nachfolgenden Woche durch einen ärztlichen Bericht bestätigt wurde. Perfekt, dachte ich. Damit steht der Spende in den nächsten Tagen nichts mehr im Weg.

Zur Vorbereitung für die Spende musste ich mir ein Medikament verabreichen, das vorübergehend die Produktion der Stammzellen im Knochenmark anregt und sie in meine Blutbahn schwemmt. Bei mir traten hierdurch starke Kopf- und Beckenschmerzen auf - trotz der Einnahme von Schmerzmitteln. Diese Nebenwirkungen waren schon sehr unangenehm und darauf hätte ich echt verzichten können. Aber wenn ich damit meinem genetischen Zwilling helfen kann, nehme ich diese gerne auf mich. Denn die Vorstellung, dass es wirklich einen genetischen Zwilling von mir gibt, war für mich von Anfang an unglaublich.

Ich würde jederzeit wieder spenden. Es ist einfach ein tolles Gefühl.

Voller Motivation habe ich mich Mitte September auf den Weg nach Köln gemacht, um schließlich Stammzellen zu spenden. Nachdem ich auch an diesen Tagen freundlich vom Personal betreut wurde, haben mich ein Arzt und eine Schwester an alle notwendigen Geräte angeschlossen. Die komplette Stammzellspende ist perfekt verlaufen und es konnte eine große Anzahl an Stammzellen gewonnen werden. Meine Stammzellspende wurde danach direkt von einem Kurier abgeholt und zu meinem genetischen Zwilling gebracht. Die Tage nach meiner Spende war ich noch etwas angeschlagen. An manchen Körperstellen zwickte es noch, aber Tag für Tag wurde es besser und ich konnte mich von allen Nebenwirkungen verabschieden.

Wenige Tage nach der Spende habe ich von der DKMS erfahren, dass meine Spende an einen 60jährigen Mann in Deutschland ging. Das freute mich sehr und machte mich stolz. Ich drücke ihm alle Daumen, dass er die schlimme Krankheit besiegt. TOI TOI TOI! Mein Fazit: Risiken hin oder her – ich würde jederzeit wieder spenden. Es ist einfach ein tolles Gefühl, dass man jemandem helfen kann.