Tino: „Vor Stolz wurde ich ein wenig sentimental und war den Tränen nah.“

13 Januar 2016

Tino ist 29, gelernter Einzelhandelskaufmann und lebt in Leipzig. In seiner Freizeit treibt er Sport, erkundet neue Städte und hört gerne Musik. Fünf Jahre nach seiner Registrierung als potenzieller Lebensretter spendete Tino Stammzellen und konnte so einem Menschen eine neue Chance auf Leben schenken. Wie es zu seiner Registrierung kam und wie er sich nach der Spende fühlte, erzählt er hier:

„Aus gescheiterten Beziehungen nimmt man so einiges mit: Erfahrungen, Erinnerungen und Ratschläge für die Zukunft. In meinem Fall: eine Registrierung bei der DKMS. Meine damalige Partnerin erzählte mir von der DKMS und was damit verbunden ist. Ich empfand dies als eine sehr gute Sache und habe mich direkt registriert. Seit 2009 bin ich als potenzieller Stammzellenspender in der DKMS registriert.

Tino: „Vor Stolz wurde ich ein wenig sentimental und war den Tränen nah“

Es dauerte nicht lange, da bekam ich auch schon das erste Mal Post bezüglich einer Bestätigungstypisierung. Daraufhin habe ich angefangen, mich vermehrt über Blutkrebs und die Stammzelltransplantation zu informieren. Ich kam zu dem Entschluss, dass meine Registrierung eine ganz gute Idee war. Als nächstes ich ging zu meinem Arzt zur Blutabnahme. Allerdings passierte dann ein halbes Jahr nichts. Die behandelnden Ärzte hatten sich nicht noch einmal gemeldet und somit war ich für diesen Patienten nicht mehr „reserviert“.

Fünf Jahre später, bekam ich einen Anruf aus Tübingen, dass ich als registrierter Stammzellspender für einen erkrankten Patienten in Frage komme. In diesen Sekunden schossen mir etliche Fragen durch den Kopf: „Wie Bitte?“ „Wieder komm ich in Frage?“ „Klappt es dieses Mal?“. Die Frau am Telefon war sehr freundlich und bat mich, einen Gesundheitsbogen auszufüllen. Bei jedem Schritt wurde ich gefragt, ob ich noch gewillt sei, zu spenden. Diese Frage kam mir nie in den Sinn! Immer wieder bejahte ich diese Frage, für mich war es einfach selbstverständlich. Mir kam immer wieder in den Sinn, wie froh ich doch selbst wäre, wenn ich, meine Familie oder jemand aus meinem Freundeskreis erkranken würde und ein Spender gefunden wird.

Fußballfan Tino

Nach der Bestätigung, dass ich für den Patienten als Spender in Frage komme, stieg die Nervosität: Wann geht es los? Wer ist „mein“ Patient? Und wie funktioniert das alles?

Der Termin der Spende stand schnell fest und rückte immer näher. Das Interesse an meiner Person wurde immer größer. Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen hatten viele Fragen: Wie ist der Ablauf, ob ich was über den Patienten weiß und was alles drum herum passiert. Die Fragen habe ich stolz beantwortet und die Leute wurden überzeugt, dass das eine gute Sache ist.

Die Knochenmarkentnahme fand in einer Klinik in Nürnberg statt. Ich wurde sehr freundlich empfangen und durchweg gut behandelt. Ich fühlte mich sich sehr wohl: man ist in guten Händen und tut etwas Gutes. Nun musste nur noch alles gut laufen.

Am nächsten Tag war ich der Erste, der operiert wurde. Ich verspürte keine Nervosität und die Operation dauerte nur zwei Stunden. Nach der OP fühlte ich mich gut – Es war „überstanden“.

Tino kurz nach der OP

Im Aufklärungsgespräch hatte ich schon erfahren, dass ich ein paar Schmerzen haben werden würde. Diese Schmerzen waren aber nichts sind im Vergleich zu den Nachwirkungen, die bei anderen Operationen auftreten. Nach der OP sollte ich noch ein wenig schlafen, das tat mir auch ganz gut. Als dann die letzte Infusion zur Kreislaufstabilisierung entfernt wurde, konnte ich aufstehen und endlich etwas essen. Ich fühlte mich richtig gut, der Schmerz erinnerte eher an Muskelkater. Kurz darauf kam eine Ärztin rein. Sie berichtete mir, dass alles gut verlaufen sei und mir etwa 700ml Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkammknochen entnommen wurde. Das spricht für die Spende eines Kindes, oder eines kleinen Menschen. Mehr konnte und durfte sie mir bezüglich „meines“ Patienten nicht sagen. Sie bemerkte, dass ich einen sehr stabilen und fitten Eindruck machte und wünschte mir für den morgigen Tag alles Gute.

Nachdem Frau Doktor das Zimmer verlassen hatte, holte ich meine Unterlagen, um meinen Betreuer anzurufen. Ich wollte erfahren, wer denn nun mein genetischer Zwilling ist. Nachdem sie sich erkundigt hatte, wie es mir ergangen war, verriet sie die spannenden Informationen: mein genetischer Zwilling ist ein kleiner Junge aus Frankreich. Nach dem Gespräch lies ich das ganze Revue passieren. Vor Stolz wurde ich ein wenig sentimental und war den Tränen nah. Man hofft und wünscht sich, dass alles klappt und der kleine Körper die Zellen annimmt. Dass der kleine Mann wieder gesund wird und seine Familie ihn aufwachsen sehen kann. Leider ist in Frankreich nur ein anonymer Kontakt gestattet, das stimmt mich ein wenig traurig.“

 Tino nach der Stammzellspende

Die Registrierung als potenzieller Stammzellspender ist ganz einfach online möglich. In 80% der Fälle werden die Stammzellen peripher aus dem Blut gefiltert. Diese Entnahme erfolgt ambulant und gleicht einer Dialyse. Nur in 20% der Fälle ist eine Entnahme aus dem Beckenkamm nötig. Registrieren Sie sich als potenzieller Stammzellspender und geben Sie Blutkrebspatienten auf der ganzen Welt neue Hoffnung. Hier klicken und registrieren!