Stammzellspenderin Lena Mall erzählt von ihrer Lebensspende - "Diese Erfahrung hat mich stärker gemacht!"

7 August 2014

Es war zwei Wochen nach meinem 18. Geburtstag, ich kam abends von der Schule nach Hause und ein Brief von der DKMS wartete auf mich. Zuerst dachte ich, es wäre mein Spenderausweis oder einfach nur Werbung. Aber falsch gedacht: ich gehörte zur „engeren Wahl“. In mir gingen alle Alarmglocken an. Ich wusste nicht ob ich weinen oder lachen sollte. Bei der Registrierung wusste ich schon auf was ich mich einlasse. Allerdings hatte ich damals nicht damit gerechnet, dass dieser Moment wirklich kommen würde. Nachdem ich den Brief gelesen hatte, wusste ich, dass ich die einzige Person bin, die diesem Menschen das Leben retten kann.

Ich war mir auf einmal so sicher, das Richtige zu tun. Dieses Gefühl kann ich kaum in Worte fassen.

Die DKMS machte für mich einen Termin bei meinem Hausarzt, um eine genauere Übereinstimmung der Blutmerkmale festzustellen. Der Arzt nahm mir zwei Röhrchen Blut ab. Ein Röhrchen ging per Post ins Labor, das andere wurde von einem Kurier zur DKMS gebracht.

Jetzt war warten angesagt, nach nur drei Wochen bekam ich einen Anruf. Mir wurde ausführlich erklärt was auf mich zu kommt und was ich zu tun habe. Ganz ehrlich, ich hatte schon ein bisschen Angst. Ich musste mir selbst Spritzen geben und während der Spende wurde viel Blut durch meinen Körper gepumpt. Ich musste daran denken, was dieser krebskranke Mensch schon alles durch machen musste und konnte ihn einfach nicht im Stich lassen.

Dann hieß es für mich Taschen packen, per Flugzeug ging es nach Dresden. In der Uni-Klinik empfing mich eine ausgesprochen nette Krankenschwester. Sie erklärte mir den Ablauf und versorgte mich mit Essen und Getränken. Ich musste noch eine Urinprobe abgeben und es wurden mir bestimmt 25 Röhrchen Blut abgenommen. Ich führte noch ein längeres Gespräch mit einer Ärztin und wurde auf Herz und Niere untersucht. Dann nur noch ein EKG sowie eine Vermessung meiner Organe und schon war es vorbei.

Eine Woche später bekam ich das Ergebnis - ich bin gesund. Jetzt war es sicher: die „kleine“ Lena hat die Chance einem Menschen das Leben zu retten.

Etwas Unbezahlbares und Einzigartiges.

Nach einem weiteren Monat wurde ich wieder in der Klinik erwartet. Dort bekam ich ein Handbad, um die Durchblutung anzuregen, und um eine geeignete Vene zu finden. Dann wurde ich an die Maschine angeschlossen. Zusammen mit zwei anderen Spendern saß ich im Spenderraum und wir schauten einen Film. Nach drei Stunden war die ganze Sache auch schon vorbei. Ich brauchte eine Stunde länger als meine „Mitspender“. Nach der Spende war ich wirklich müde und erschöpft, aber ich musste einfach wissen, wer der Unbekannte ist an den meine Stammzellen gehen. Am Telefon erklärte mir die DKMS, dass meine Zellen in die USA zu einem 55-jährigen Amerikaner gebracht wurden. Dieser Mann ist jetzt „mein Patient“. Schon wenige Wochen danach schrieb ich einen Brief an „meinen Patienten“, ich wünschte ihm viel Kraft und alles Gute für seine Zukunft.

Einige Monate später bekam ich von der DKMS einen Brief in dem stand, dass mein Patient aus dem Krankenhaus entlassen wurde und er meine Stammzellen gut vertragen hat. Meinem „Genetischen-Zwilling“ geht es also besser und er ist auf dem besten Weg wieder gesund zu werden. Ich kann nicht beschreiben, wie toll dieses Gefühl ist. Nichts war umsonst und ich hab es geschafft.

Diese Erfahrung hat mich stärker gemacht und ich habe gemerkt wie wertvoll Leben ist!