"Es war mein kleines Weihnachtswunder" - Sandra Fischer über ihre Stammzellspende

19 März 2014

Ich glaube es war 2008, als ich mich in meiner Schule in Dresden, bei der DKMS registriert habe. Für ein an Leukämie erkranktes Kind wurde ein passender Spender gesucht. Ich hatte vorher schon viel von der DKMS gehört und habe dann diese bequeme Möglichkeit der Registrierung in der Mittagspause genutzt.

Die Benachrichtigung, dass ich als Spenderin in Frage komme, bekam ich in Südamerika. Genau eine Woche nach meiner Verlobung mit meinem Freund. Zuerst habe ich das Ausmaß dieser Aufforderung zu weiteren Tests nicht verstanden. Mein Vater hatte auch schon einmal eine solche Aufforderung bekommen. Danach hieß es jedoch, man habe einen passenderen Spender gefunden. Ich dachte vielleicht ist es bei mir genauso. Ich nahm die Sache trotzdem sehr ernst und bat zunächst um Verständnis, dass ich die benötigten Informationen erst senden kann, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Als die Bestätigung kam, dass ich definitiv als Spender in Frage komme, war ich richtig aufgeregt!

In Deutschland angekommen, machte ich zunächst die angeforderten Tests. Ich war hin und her gerissen. Einerseits wollte ich mich nicht zu sehr hineinsteigern, für den Fall, dass ich vielleicht doch nicht der passende Spender bin. Auf der anderen Seite wollte ich auf jeden Fall sehr gut vorbereitet sein! Ich las mehrere Geschichten von Spendern auf der Webseite der DKMS und suchte im Internet nach Informationen. Erst da wurde mir bewusst, wie entscheidend diese Spende sein könnte für den Patienten oder die Patientin. Ich wurde nervös und als die Bestätigung kam, dass ich definitiv als Spender in Frage komme, war ich richtig aufgeregt!

Fast hätte mein Verlobter ein Eil-Flugticket nach Deutschland gebucht. Er konnte erst nicht verstehen, warum seine Verlobte kerngesund freiwillig ins Krankenhaus zu einem operativen Eingriff geht. Als ich es ihm bei einem langen Skype-Gespräch ausführlich erklärt hatte, war er schließlich wieder etwas beruhigt. Meine Familie und Freunde waren am Anfang ähnlich besorgt. Nach langen Gesprächen haben sie aber gesagt, wie mutig sie es finden, dass ich Stammzellen spende. So hatte ich es bis dahin selbst noch nicht gesehen. Denn für mich war es eher eine Selbstverständlichkeit, jemandem zu helfen, auch wenn ich vor der Operation Angst hatte.

Von der Stammzellspende habe ich dank Vollnarkose nichts mitbekommen.

Die Spende fand drei Tage vor Weihnachten 2011 statt. Meine Mutter begleitete mich zur Anmeldung ins Krankenhaus. Das Zimmer teilte ich mir mit einer Patientin, die eben erst die Diagnose Krebs erhalten hat. Ich hatte den Eindruck, ihr ein wenig Mut schenken zu können. Sie hat sich gefreut, dass sich jemand einem solchen Eingriff stellt, um einem anderen unbekannten Menschen zu helfen. Von dem Eingriff selbst habe ich Dank der Vollnarkose nichts mitbekommen. Nach dem Eingriff haben die Schmerzmittel gut geholfen und ich habe fast nichts gespürt. Nach ein paar Stunden durfte ich auch schon aufstehen und konnte die ersten wackligen Schritte über die Flure wagen.

Gleich nach dem Eingriff erhielt ich einen besorgten Anruf von meinem Freund. Ich konnte ihn aber schnell beruhigen: „Alles ist in Ordnung.“ Am Telefon erzählte er mir dann, dass sein Paket angekommen ist. Für die Weihnachtszeit hatte ich ihm im November einen Adventskalender geschickt. Bis zum 21 Dezember war der Adventskalender immer noch nicht angekommen, so dass ich dachte, er sei verloren gegangen. In diesem Augenblick musste ich weinen vor lauter Freude, es war mein kleines Weihnachtswunder.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl, Maries strahlend niedliches Gesicht zu sehen.

Nach der Spende sendete ich von zu Hause aus eine digitale Grußkarte an die DKMS mit der Bitte, sie an die Familie meines genetischen Zwillings weiterzuleiten. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass die Patientin ein dreijähriges Mädchen aus Deutschland war. Anfang Januar erhielt ich eine Dankeskarte der Familie, die mich sehr bewegte. Im Dezember 2013 wollte ich mit Unterstützung der DKMS ein Treffen mit meinem genetischen Zwilling organisieren.

Doch dann kam ein Päckchen. Der Absender war diesmal nicht mehr die DKMS, sondern die Familie des kleinen Mädchens. Ich konnte endlich Bilder von der Familie in der Hand halten und freute mich sehr, die kleine Marie zu sehen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ihr strahlend niedliches Gesicht zu sehen. Das wichtigste war, dass sie inzwischen gesund und munter ist. Natürlich habe ich sofort Fotos von mir geschickt und die Eltern schrieben mir danach, dass sich Marie auch sehr gefreut hat, ihren genetischen Zwilling zu sehen. Leider haben wir es bisher noch nicht geschafft, uns persönlich zu treffen. Aber das Jahr 2014 ist noch jung und ich hoffe, dass ich Marie und ihre Familie bald treffen kann!