Patientengeschichten

132 zweite Lebenschancen dank Aktionen für kleinen Felix

Mit gerade einmal vier Monaten erkrankte der kleine Felix aus Oberstenfeld in Baden-Württemberg an Blutkrebs. Die gesamte Region war damals auf den Beinen, um einen Stammzellspender für das Baby zu finden. Jetzt, fast neun Jahre später, geht es Felix blendend.

Und nicht nur das: Durch die vielen Neuregistrierungen aus Aktionen in seinem Namen haben 132 Personen weiteren Blutkrebspatient:innen in aller Welt eine zweite Lebenschance geschenkt.

Als sich zu Beginn des Jahres 2015 eine ganze Region in Baden-Württemberg für das Schicksal des erkrankten Felix einsetzt, erfährt auch Schlagersängerin Andrea Berg von der Aktion „Felix braucht Dich“. Gemeinsam mit Moderator Florian Silbereisen ruft Andrea Berg, die aus Felix‘ Nachbarort Aspach stammt, in der ARD-Samstagabendsendung „Das große Fest der Besten“ zur Registrierung bei der DKMS auf.

Fast 6.000 Menschen folgen dem Hilferuf. 35 von ihnen haben seitdem Stammzellen gespendet.

Einer von ihnen ist Kay-Uwe Rath aus dem thüringischen Gera. Der 31-Jährige schenkte im Oktober 2018 einer Schottin eine zweite Lebenschance. Kürzlich machte sich Kay-Uwe gemeinsam mit seiner Frau Tina auf eine ganz besondere Reise: Die beiden besuchten Kay-Uwes Stammzellempfängerin Gillian Duffy in ihrer schottischen Heimat. „Die Ankunft in Glasgow war extrem bewegend“, sagt Kay-Uwe. „Gillian hatte ein großes Schild mitgebracht. Darauf stand auf Deutsch ‚Du hast mein Leben gerettet‘. Von dem Moment an, als wir uns zum ersten Mal in den Arm nahmen, hat es sich so angefühlt, als würden wir uns schon ewig kennen.“

Die schottische Familie bereitet den beiden Fremden aus Deutschland ein unvergessliches Wochenende. Mehrfach kommt die gesamte Familie zum Essen zusammen, sie machen einen Bootsausflug und erleben die beeindruckende schottische Natur. Da Gillian weiß, dass Kay-Uwe sich in seiner Freizeit bei der Feuerwehr und im Rettungsdienst engagiert, organisiert sie eine private Führung durch das lokale Feuerwehrmuseum. „Bei dem schottischen Dialekt kam ich mit meinem Schulenglisch gelegentlich an meine Grenzen“, erzählt Kay-Uwe. „Aber das Wochenende war von so viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft geprägt, dass wir beim Abschied am Sonntag alle Tränen in den Augen hatten. Ich hatte das Gefühl, eine Familie zurückzulassen, zu der ich schon immer gehört hatte.“

Als Stammzellspender registriert hatten sich Kay-Uwe und Tina bereits 2015, nachdem sie durch den Registrierungsaufruf in „Das große Fest der Besten“ und die starke Medienpräsenz der Felix-Aktionen auf die DKMS aufmerksam geworden waren. Seine Spende, bei der die Stammzellen in einer Dresdner Entnahmeklinik ambulant aus dem fließenden Blut gewonnen wurden, beschreibt Kay-Uwe als „ganz angenehm“. Er habe sich zu jedem Zeitpunkt bestens betreut gefühlt, sagt er. „Nach der Spende konnte ich mir noch Dresden ansehen. Das war wunderschön!“

Womöglich wäre Kay-Uwe nicht zum Stammzellspender geworden, wenn es die Registrierungsaktionen in Felix‘ Namen nicht gegeben hätte. Neben den 6.000 Registrierungen aus dem Fernsehaufruf ließen sich weitere rund 7.900 Personen bei Aktionen vor Ort in unsere Datei aufnehmen. So sorgte das Schicksal des kleinen Jungen für insgesamt fast 14.000 zusätzliche Spenderinnen und Spender bei der DKMS, von denen bis heute 132 einem Blutkrebspatienten irgendwo auf der Welt Hoffnung geschenkt haben.

Der kleine Kämpfer Felix benötigte sogar zwei Stammzelltransplantationen, um wieder ganz gesund zu werden. Die erste erhielt er von einem DKMS-Spender, die zweite von seiner Mutter. Nach seiner Genesung ist der heute Neunjährige noch vier Mal großer Bruder geworden. 2017 kündigte sich das erste Geschwisterchen an. „2019 sollte unser drittes Kind kommen – es wurden aber Drillinge“, erzählt Felix‘ Mutter Nadine. Seitdem ist im Hause Schick immer etwas los. „Es ist anstrengend“, gesteht Nadine Schick, „aber wir genießen unsere gemeinsame Zeit und das Familienleben auch sehr.“

Im vergangenen Sommer ist Felix sein erstes Seifenkistenrennen gefahren. Auf sein Fahrzeug hatte er jede Menge DKMS-Sticker geklebt. Er ist deutlich kleiner als für sein Alter üblich – eine Folge der Chemo- und Strahlentherapien. Wachstumshormone zu geben könnte allerdings eine erneute Leukämie auslösen, weshalb sich die Familie dagegen entschieden hat: „Lieber bleibt er klein aber gesund!“

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