Spendergeschichten

Anja spendet ihre Stammzellen auf zwei verschiedene Arten

Die meisten Spender geben ihre Stammzellen entweder ambulant bei der peripheren Stammzellentnahme oder unter Vollnarkose bei einer Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm ab. Anja hat gleich beide Methoden kennengelernt, sie wurde zweimal gebeten, für einen Patienten Stammzellen zu spenden.

Letzte Aktualisierung: 23.03.2021

Als in Rostock im Jahr 2010 händeringend nach einem passenden Stammzellspender für einen zweijährigen Jungen namens Paul gesucht wird, lassen sich vor Ort rund 4.000 Menschen in die DKMS aufnehmen. Anja Hansen, damals 25, ist eine von ihnen. Vier Jahre nach ihrer Registrierung erhält die Rostockerin einen Anruf von der DKMS. Sie komme als Spenderin in Frage, teilt man ihr mit. Die Stammzellen sollen aus ihrem Knochenmark gewonnen werden, das ihr unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm entnommen wird. Anja Hansen zögert keine Sekunde. „Die Entscheidung für die Spende habe ich nie infrage gestellt“, sagt sie. Am Tag vor dem Eingriff wird sie in ein Dresdener Krankenhaus aufgenommen. „Ich konnte gut schlafen, hatte großes Vertrauen in Schwestern und Ärzte.“

Gleich um acht Uhr am folgenden Morgen geht es los. Die Narkose sei nur von sehr kurzer Dauer gewesen, berichtet Anja. „So schnell konnte ich gar nicht gucken, da war ich auch schon wieder wach“, sagt sie schmunzelnd. Extrem gut habe sie sich am Eingriffstag gefühlt, von Schmerzen keine Spur. Von einem Arzt erfährt sie, dass die Spende an einen Jugendlichen aus der Schweiz geht. „Ich dachte: Im Gegensatz zu dem, was der Patient gerade durchmacht, ist das hier gar nichts!“ Auch die zweite Nacht in der Klinik schläft Anja Hansen gut. Am darauffolgenden Morgen meldet sich allerdings der Kreislauf der zierlichen jungen Frau. Sie bleibt noch ein paar Stunden länger als geplant zur Beobachtung. Später wird sie nach Hause entlassen mit der Empfehlung, sich noch einige Tage zu schonen.

Die Rostockerin wurde zweimal gebeten, für einen Patienten Stammzellen zu spenden

Wenige Monate später steht Anja wieder in Kontakt mit der DKMS. Bei ihrem Patienten haben sich die bösartigen Zellen wieder durchgesetzt. Sie wird gefragt, ob sie sich eine erneute Spende vorstellen könne. Das kann sie. Im März 2015 geht es zum zweiten Mal nach Dresden – doch dieses Mal läuft es anders: Die Stammzellen werden ihr ambulant über das periphere Blut entnommen. Bereits einige Tage zuvor hatte Anja sich den hormonähnlichen Stoff G-CSF gespritzt, um die Produktion von Stammzellen anzuregen. Bei der Entnahme filtert eine Maschine die Stammzellen aus dem fließenden Blut heraus. „Es hat fünf Stunden gedauert, war aber total komplikationslos!“

Weitere vier Jahre vergehen, bis die DKMS sich 2019 mit der Nachricht meldet, auf die Anja so lange gehofft hat: Ihrem Patienten geht es gut. Kennenlernen darf sie ihn aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen in der Schweiz nicht. „Anfangs war ich darüber ein bisschen enttäuscht. Aber inzwischen ist es okay. Ich weiß ja jetzt, dass er wohlauf ist!“

Anja engagiert sich weiter für die DKMS: Erst im vergangenen Jahr hat sie ehrenamtlich bei einer Registrierungsaktion für ein erkranktes Mädchen geholfen. Anja hofft, dass auch diese kleine Patientin weiterleben darf – genau wie „ihr“ Schweizer Patient, an den sie noch immer viel denkt.

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