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Blutkrebs lässt Bennys Paralympics-Traum platzen

Profiparatriathlet Benjamin Lenatz' Traum von der Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Tokio wurde durch seine Blutkrebserkrankung zerstört. Jetzt will er anderen helfen und ruft zur Registrierung auf

Letzte Aktualisierung: 27.08.2021

Der 36-jährige Benjamin Lenatz weiß, wie es ist am Boden zu sein und sich zurück ins Leben zu kämpfen. Seit einem Quadunfall im Alter von gerade einmal 18 Jahren ist der gebürtige Radevormwalder querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Er hat gelernt, mit dem Rollstuhl zu leben und zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Paratriathleten des Landes. Die Paralympischen Spiele waren sein großer Traum, auf den er lange hingearbeitet hat. Doch bevor er sich dafür qualifizieren konnte, ist er an Blutkrebs erkrankt. Damit wird er zum zweiten Mal unerwartet aus seinem gewohnten Leben gerissen.

Vor etwas mehr als einem Jahr haben die Ärzte bei Benny eine Chronische Myeloische Leukämie (CML) diagnostiziert – Blutkrebs. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich in seiner sportlichen Hochphase und war mitten in den Vorbereitungen für die Paralympischen Spiele in Tokio. „Die Diagnose war wie eine endlose Aufzugfahrt nach unten, ein freier Fall. Als Profisportler ist das ganze Leben auf dieses eine Ziel ausgerichtet und alles darum genauso. Meine Frau, meine Trainer und alle anderen – wir alle hatten unseren Fokus auf Tokio“, sagt das Ausnahmetalent. „Bei meinem ersten Schicksalsschlag, der Querschnittslähmung, habe ich gelernt mit problematischen Situationen umzugehen. Doch eine Krebserkrankung ist noch einmal etwas ganz anderes. Das hier ist schwieriger.“

Benjamin Lenatz in seinem Rennrollstuhl

Glücklicherweise kann Benjamin seine CML-Erkrankung mit Medikamenten behandeln. Eine Stammzelltransplantation ist nicht nötig, sofern die vorhandenen Medikamente einschlagen. Die Nebenwirkungen machen ihm jedoch zu schaffen, sodass er seine Medikamente schon das zweite Mal wechseln musste. „Das erste Medikament ging stark auf die Schilddrüse und bei der Belastungsprobe sind Herzprobleme aufgetreten. Als Sportler ist das ein großes Problem“, sagt er. „Das zweite Medikament ging mit relativ starken Kopfschmerzen einher und ich musste Kortison nehmen – auch das ist kein Dauerzustand. Jetzt bin ich beim dritten Medikament und hoffe, dass die Nebenwirkungen sich in Grenzen halten und mit meinem Leistungssport vereinbaren lassen.“

In der Zwischenzeit möchte sich Benny aktiv im Kampf gegen Blutkrebs engagieren und Erkrankten, die zum Überleben eine Stammzellspende benötigen bei der Suche nach einem passenden Spender oder einer passenden Spenderin helfen. Unter www.dkms.de/TEAMBenny kann jede:r gesunde Erwachsene seinem Aufruf folgen und sich ein Registrierungsset nach Hause bestellen – und so vielleicht ein Leben retten.

Derweil tastet er sich langsam wieder an den Sport heran. „Ich versuche das Ganze Tag für Tag ein bisschen anzugehen. Ich mache wieder Sport, aber das hat mit dem, was ich vorher trainiert habe, vor allem kurz vor der Diagnose, noch nicht allzu viel zu tun“, sagt Lenatz.

Wie es ist, wieder bei null anzufangen, weiß er durch seinen Unfall nur zu gut. „Einen Tag vorher bin ich noch herumgesprungen, einen Tag später liege ich auf der Intensivstation und kann meine Beine nicht bewegen“, erinnert er sich. „Meine Familie hat sehr unter meiner Situation gelitten und es hat sie sehr mitgenommen.“

Seine Familie leiden zu sehen hat ihm die größte Motivation gegeben weiterzumachen und sein Schicksal zu akzeptieren. „Alles, was dem anderen wehtut ist schlimmer, als das, was einem selbst als Last zugemutet wird“, sagt der 36-Jährige. „Gegen das Meiste im Leben kann man selbst kämpfen und versuchen, die Situation aktiv zu verbessern. Die Gefühls- und Gedankenwelt des Gegenübers hat man aber nicht in der Hand. Man kann nur versuchen, diese positiv mit dem eigenen Handeln zu beeinflussen. Damals habe ich mich erstmal nur für meine Familie aufgerappelt, um sie positiv zu beeinflussen und deren Schmerz zu lindern. Und irgendwann hat bei mir die innere Motivation eingesetzt und dann kam auch der Sport, der für mich immens wichtig geworden ist.“

Benjamin mit seiner Hündin Elli

In der Reha hat er Rollstuhlbasketball kennengelernt. Es hat ihm so gut gefallen, dass er im Anschluss direkt einem Verein beigetreten ist. Von da an hat es nicht lange gedauert, bis er in der Bundesliga und schließlich auch in der Nationalmannschaft gespielt hat. Nach 13 Jahren Basketball lernte Benjamin seine Frau Frauke kennen, die ihn zum Triathlon brachte. Der Sport hat ihm sofort gefallen und es hat nicht lange gedauert, bis er seinen Bausparvertrag genutzt hat, um das erste Handbike anzuzahlen. Mit zunehmendem Erfolg folgten Wettkämpfe in Japan, Australien und den USA und schließlich der Gang in den Profisport.

Die derzeitigen Spiele in Tokyo muss er von daheim aus verfolgen. Sein aktueller Gesundheits- und Trainingszustand lässt eine Teilnahme nicht zu. Was nicht ist, soll aber bis zu den nächsten Spielen 2024 in Paris werden. „Mein Ziel ist es, an den nächsten Paralympischen Spielen teilzunehmen. Ich setze mein Bestmöglichstes daran, mein Comeback dieses Jahr feiern zu können. Das hängt aber stark von meiner gesundheitlichen Situation und Corona ab.“

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