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Ein Gefühl wie Bruder und Schwester

Vom Laufsteg in die Klinik, um möglicherweise einem Menschen das Leben zu retten, und zurück. So erlebte es Nadine Wimmer (23), Model und GNTM-Teilnehmerin aus München, vor dreieinhalb Jahren. Jetzt hat sie den Empfänger ihrer Stammzellen getroffen, Joshua Fleming (37) aus Ontario (Kanada).

Letzte Aktualisierung: 17.06.2022

Entstanden ist ein Gefühl von Familie, die jetzt größer geworden ist.

Nadine ist eine Lebensretterin und für Joshua, der auch dank ihrer Stammzellen eine schwere aplastische Anämie und Leukämie überlebte, eine Heldin, die er seine „Schwester“ nennt. Beide haben sich jetzt, dreieinhalb Jahre nach der Transplantation erstmals in Bayern getroffen. „Als Joshua endlich vor mir stand, habe ich ihn einfach in den Arm genommen. Ich brauchte die Umarmung, um zu verstehen, dass er jetzt endlich da ist,“ erzählt Nadine.


Diesem wunderbaren Moment ging eine lange Geschichte voraus, die mit den ganz persönlichen Erlebnissen von Nadine begann. Ihre Schwester erkrankte an Morbus Hodgkin, einer bösartigen Erkrankung des lymphatischen Systems, und ist glücklicherweise wieder gesund. Vor einigen Jahren starb eine enge Freundin an Krebs. Für Nadine war klar: Wenn es möglich wäre, genau das bei anderen Menschen zu verhindern, würde sie helfen.

Sie ließ sich kurz nach ihrem 18. Geburtstag als Spenderin bei uns registrieren und erwies sich nur wenig später als ein Match. Sie spendete erfolgreich Stammzellen und nutzte ihren Auftritt bei der TV-Show „Germanys Next Top Model“ (GNTM) im Jahr 2019, um die Zuschauer:innen dazu zu motivieren, sich ebenfalls als möglicher Stammzellspender registrieren zu lassen. Das gelang hervorragend: Tausende Menschen bestellten sich im Anschluss an die Sendung ein Registrierungsset. Nadine nutzt bis heute auch ihre Social-Media-Kanäle, um ihre Follower auf das Thema Stammzellspende aufmerksam zu machen.


ME FOR YOU, YOU FOR ME

Jetzt, im Jahr 2022, war es nun endlich soweit: Nadine lernte Joshua, den Empfänger ihrer Stammzellen, persönlich kennen. Dabei hatte er auf ihren anonymen Brief direkt nach Spende gar nicht reagiert. Die Krankheit sowie die Transplantation forderten ihren Tribut. Erst zu Weihnachten 2021 war für Joshua der richtige Moment, Kontakt zu seiner Lebensretterin aufzunehmen. „Hi, do you speak English?“ – das waren die ersten, fast schüchternen Worte in seinem Brief. Seitdem halten Nadine und er Kontakt. Bereits beim ersten Telefonat entstand eine ganz besondere Nähe. „Wir sind gefühlt wie ein Mensch. Wir sind genetische Zwillinge, wir denken und empfinden in vielen Dingen ähnlich“, berichtet Nadine.

Das erste Treffen dann vor wenigen Wochen in München war für beide ein wichtiger, großer Schritt. Entsprechend aufgeregt fieberten beide diesem Tag entgegen, der von einem Sat1-Filmteam begleitet wurde. Wortloses Umarmen, kurzes verstehendes Schweigen. Die Verbindung, die dabei entstand, lässt sich nur schwer beschreiben. Joshua war voller Dankbarkeit: „„Es ist unbeschreiblich schön, sie heute endlich in die Arme nehmen zu können“, sagt er. „Wir sind beide Familienmenschen, lieben Hunde, mögen Tattoos und haben viele ähnliche Interessen. Ich nenne sie einfach meine Schwester, und sie nennt mich Bruder“. Auch für Joshuas Mutter Dianne, die ihn nach Deutschland begleitete, fühlte es sich nach Familie an: „Unsere Familie ist größer geworden. Familie zu haben ist immer eine wunderbare Sache“.


Da Nadine und Joshua sich für Tattoos begeistern, hatte Nadine eine ganz besondere Idee, um ihrer Verbindung Ausdruck zu verleihen: Den selbst entworfenen Schriftzug „ME FOR YOU, YOU FOR ME“ wollte sie sich und Joshua als Freundschaftstattoo stechen lassen. Den Tätowierer ihres Vertrauens hatte sie direkt mitgebracht. Ein verrückter und wunderbarer Gedanke. Das fand auch Joshua. Beide ließen die Worte auf den Oberschenkel stechen und tragen sie als Zeichen ihrer besonderen Zusammengehörigkeit.

Für Nadine ist klar: Sich als Stammzellspenderin registrieren zu lassen und auch tatsächlich zu spenden, waren richtige Entscheidungen, die sie immer wieder so treffen würde. „Ich habe damit einer Familie geholfen, ein Familienmitglied nicht verlieren zu müssen. Es gibt nicht viel Schöneres. Sich registrieren zu lassen ist ein erster Schritt und tut nicht weh.“

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