Spendergeschichten

Ein unglaubliches Glücksgefühl

Dietmar (54) bekommt nicht nur einmal eine neue Chance auf Leben: „Eigentlich hat mir Sonja zweimal das Leben gerettet!“.

„Es war ein Zufallsbefund“, sagt der 54-Jährige über seine erste Diagnose. Im Frühjahr 2006, nachdem er eine hartnäckige Erkältung nicht los wird, geht er zu seiner Hausärztin um sich durchchecken zu lassen. Dann folgt der Schock: Dietmar ist an Leukämie erkrankt.

„Viele Leute sagen bei einer solchen Diagnose gerne, ‚es hat mir den Teppich unter den Füßen weggezogen‘“, erinnert sich Dietmar. „Ich sage immer, einen Teppich unter den Füßen wegziehen dauert zu lange. Es ist eher so, als würde dir jemand mit einem Baseballschläger die Füße weg schlagen.“ Es folgt für ihn eine Zeit voller Ängste, Sorgen und Zweifel – Wie wird er die Chemotherapie und die Bestrahlung vertragen? Was wird aus seiner Familie und seiner Arbeit?

Von den düsteren Gedanken versucht sich der Feuerwehrmann mit kreativen Hobbys abzulenken. Während seiner Klinikaufenthalte malt er Bilder, liest Fachzeitschriften über Motorräder, Windsurfen und Modellbahnen und probiert sich an einem Flugsimulator. Den dafür benötigten Laptop bringen ihm seine ehemaligen Kolleg:innen der Kreispolizei Gütersloh bis ans Stationsbett. „So etwas kann schnell mal für Verwirrung sorgen. Denn wenn zwei Polizist:innen auf Station nach einem Patienten fragen, wird erstmal anderes vermutet, als ein privater Besuch“, erinnert er sich mit einem Augenzwinkern.

Die Therapien und die Stammzellspende seines Bruders wirken zuerst und geben Dietmar ein paar Jahre der Ruhe. Im Advent 2013 wird bei ihm jedoch ein Rezidiv, eine erneute Leukämie, festgestellt. Sein Umfeld reagiert schnell und unterstützt den Rheda-Wiedenbrücker auch im Krankenhaus so gut wie möglich. „Da gab es ein paar unvergessliche Situation. Zum Beispiel als mir meine Feuerwehrkollegen zu Weihnachten 2013 einen geschmückten Weihnachtsbaum zum Krankenhaus gebracht und draußen vor der Terrassentür aufgestellt haben.“

Dieses Mal ist Dietmar auf eine Stammzellspende einer fremden Person angewiesen. Die Freude über ein Match in den USA wird schnell gedämpft, als der Spender wegen eines Schneesturms verhindert ist. Zu seinem Erstaunen und seiner großen Freude muss er aber nicht lange auf ein neues Match warten: „Ein unglaubliches Glücksgefühl!“, erzählt Dietmar. „Es gibt noch jemanden, der zu mir passt. Wenn man sich darüber im Klaren ist, dass es leider immer noch Fälle gibt wo kein Spender gefunden wird! Auch da war mir irgendwie bewusst diese Krankheit noch ein zweites Mal zu besiegen“, sagt er.

Seine Stammzellspenderin Sonja ist schon 20 Jahre in der Datenbank registriert, als sie von uns kontaktiert wird. Die Stuttgarterin zögert nicht lange und spendet dem ihr damals unbekannten Dietmar ihre Stammzellen. Nach der Transplantation erinnert sich der Feuerwehrmann daran, dass „wir Transplantierten vor allem draußen einen Mund – Nasenschutz tragen mussten, um sich vor Keimen und Bakterien zu schützen. Damals wurde man draußen noch komisch angesehen, wenn man mit einer Maske im Gesicht in die Stadt geht! Heute nach Corona kaum vorstellbar.“ Schon ein Jahr nach Transplantation, fühlt sich Dietmar „fast wie der Alte“. Sonja und er halten über uns anonymen Briefkontakt. Doch das Schicksal hält eine weitere Hürde für Dietmar bereit. Weil seine Stammzellzahl nach der Spende immer weiter abnimmt, wird Sonja zwischenzeitlich informiert, dass eine Spende ihrer Lymphozyten notwendig ist.

Das erste persönliche Treffen ist für beide unvergesslich und Sonja wird zu einer wichtigen Wegbegleiterin für Dietmar: „Wir sind super Freunde. Wir erzählen uns alles und wissen so einiges über einander.“ Die Lymphozytenspende verlangt Dietmars geschwächtem Körper einiges ab. Er entwickelt eine GvHD, Graft-versus-host Erkrankung, die unter Empfänger:innen von Stammzellspenden häufiger vorkommen können. Trotz der daraus resultierenden Einschränkungen, erhält sich der mittlerweile genesene Dietmar seine positive Einstellung: „Mein persönlicher Umgang mit der Krankheit ist überwiegend geprägt von Hoffnung, Zuversicht, Vertrauen und guten Verhältnissen zum Krankenhaus Personal.“

Heute ist Dietmar ein passionierter und aktiver Helfer für die DKMS. Als Ehrenmitglied seiner Feuerwehr in Rheda-Wiedenbrück wirkte er an der XXL-Registrierungsaktion in OWL Anfang Juni 2023 mit, die durch seinen Kreisbrandmeister und Namensvetter Dietmar Holtkemper initiiert wurde. Dies war eine der zehn größten Aktionen der DKMS seit ihrer Gründung im Jahr 1991. Ihm ist es eine echte Herzensangelegenheit, so viele Menschen, wie möglich zu motivieren, sich als Spender:innen registrieren zu lassen. Sein Ziel ist, dass Anderen die gleiche Chance ermöglicht wird, wie ihm: Ein zweites Leben!

Dietmar appelliert:

„Lasst euch unbedingt registrieren! Auch wenn es für mich gleich zwei Spender:innen gegeben hat, gibt es immer noch viel zu viele Fälle, für die kein geeignetes Match gefunden wird. Habt keine Angst vor der Spende, denn in ca. 90% aller Fälle findet die Spende durch die Entnahme der Stammzellen aus der Armvene statt!

Und denkt immer daran, schon morgen könntet ihr selber in die Situation kommen und auf die Stammzellen eines Spenders angewiesen sein! Je eher je besser! Umso jünger ihr seid, desto länger die Chance ein Leben zu retten!“

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