„Eine Stammzellenspende verbindet“ – Marian trifft Laurence

6 November 2017

„Für wichtige Sachen muss man sich Zeit nehmen“, sagt Marian. Trotz vollem Zeitplan registrierte sich der Student als Stammzellspender. Damals hätte er nie gedacht, dass er einem Menschen durch eine Spende die Chance auf ein neues Leben schenken würde. Ein paar Jahre nach seiner Spende war es dann soweit. Er durfte seinen genetischen Zwilling kennenlernen:

„Mittlerweile ist es fast genau 4 Jahre her, seitdem ich gespendet habe und bis dato hatte ich noch nie etwas von meinem Empfänger gehört, obwohl ich ihm vor einiger Zeit bereits schon mal eine E-Mail geschrieben hatte. Da ich mir nicht sicher war, ob er überhaupt noch lebte, habe ich ein wenig Zeit ins Land ziehen lassen und gehofft, irgendwann eine E-Mail zurück zu bekommen. Im Endeffekt habe ich mich dann irgendwann mit der Ungewissheit abgefunden - bis ich Mitte des Jahres ein Stipendium in den USA bekommen hatte und die Erinnerungen an den in den USA lebenden Stammzellenempfänger wieder hochkamen.

Stammzellspender Marian

Während meiner Thanksgiving-Ferien bin ich zunächst für ein paar Tage nach Washington und dann weiter nach Cleveland gereist, um mir die Niagarafälle anzusehen und Basketball auf Weltniveau zu erleben. Da ich auch im Besitz der Adresse meines Empfängers war, entschied ich die circa einstündige Fahrt von Cleveland nach Sandusky zu wagen, auch wenn für mich absolut nicht sicher war, ob ich überhaupt den richtigen Menschen antreffen würde. Als ich dann mit meinem Mietwagen vor dem vermeintlich richtigen Haus stand, wurde mir zunächst doch etwas mulmig und ich musste mich für einen Moment zusammenreißen nicht doch weiterzufahren oder umzudrehen. Letztendlich entschied ich mich dazu auszusteigen und einfach zu klingeln. Ein spannender Moment.

Mein Herz pochte wie verrückt. 100 Fragen schießen mir durch den Kopf. Lebt der Mann noch? Wie sieht er aus? Wie reagiert er? Glaubt er mir die Geschichte? Was sage ich zuerst? Da mein Besuch eine Überraschung sein sollte, hatte ich Laurence vorher nie gesprochen oder gesehen und so guckte er schon sehr verdutzt, als er mir die Tür öffnete.

Vor mir stand ein Endsechziger mit weißen Haaren und in einem T-Shirt. Nachdem ich gefragt hatte, ob in diesem Haus Laurence wohnen würde und er die Frage mit "Ja, das bin ich" beantwortete, wusste ich, dass mein Einsatz sich gelohnt hatte! Als auch er realisierte wer ich war, wurde er kreidebleich, sagte zunächst kein Wort, wirkte gar wie versteinert und rief letztendlich seine Frau mit den Worten: "Renee, komm schnell her, du wirst nicht glauben wer hier vor der Tür steht"!

Marian und Laurence

Schließlich unterhielten wir uns über fünf Stunden zu verschiedensten Themen, seine Krankheitsgeschichte wurde aufgerollt und man konnte parallel seinen und meinen Weg der Stammzellenspende und der Transplantation verfolgen. Letztendlich tauschten wir die E-Mailadressen aus, addeten uns bei Facebook. Auch seine drei Kinder fügten mich sofort als Freund auf Facebook hinzu. Woran der E-Mailaustausch damals gehapert hat? Ich hatte schlicht und ergreifend die falsche E-Mailadresse und er hatte nie Daten von mir erhalten. Jetzt bin ich jedoch relativ sicher, dass man sich häufiger austauschen wird.

Insgesamt ein ganz unwirkliches Erlebnis, da sich zwei völlig unbekannte Menschen, aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Sprachen auf einmal so nah stehen und sich unterhalten, als würden sie sich schon ihr ganzes Leben kennen. Eine Stammzellspende verbindet eben nicht nur über die HLA-Merkmale."

Mehr über Marian findest Du auch hier: dkms.de/marian