Sofia bekommt eine zweite Chance auf Leben!

22 Mai 2017

Im letzten Jahre verbrachte Jaqueline die meiste Zeit im Krankenhaus. Neben ihrer kleinen Tochter. Piepsende Apparate, Schläuche, überall Menschen in weißen Kitteln und blankliegende Nerven. Wenn das Baby todkrank ist, ist das für eine Mutter die härteste Prüfung im Leben.

Liebe Jaqueline, genau vor einem Jahr haben wir einen deutschlandweiten Spendenaufruf für Sofia gestartet. Viel ist seitdem passiert. Das Wichtigste: Ein passender Stammzellspender wurde gefunden und Sofia wurde im Juli transplantiert. Wie geht es deiner Tochter heute?

Meinem kleinen Löwenherzen geht es super. Bis auf einen kleinen Zwischenfall nach der letzten Impfung ist alles wunderbar. Sie ist lebhaft und lebenslustig. Sie rennt rum und freut sich jedes Mal, wenn sie ihre Schuhe sieht. Sie nimmt sie dann und hält sie sich an die Füße. Ich kann es immer noch nicht fassen, aber ihre Energie ist der Hammer. Sie schläft zwar noch immer sehr schlecht und hat sehr viele Alpträume, aber ich denke, sie ist ein glückliches Mädchen.

 „Mein Herz hat geblutet!“, erinnert sich Sofias Mutter

Wie war der Moment, als ihr erfahren habt, dass ein passender Stammzellspender für Sofia gefunden worden ist?

Den Moment, als wir hörten, dass es drei potenzielle Spender und darunter einen 10/10-Spender gibt, vergesse ich nie. Ich saß gerade bei meiner "Pause" im Ronald McDonald Haus und bekam den wichtigsten Anruf meines bisherigen Lebens. Als ich die Nachricht erhielt, dass der passende Spender gefunden wurde, war ich einfach sprachlos und habe sofort angefangen zu weinen. Nach dem Telefonat bin ich direkt zu Sofia gerannt. Dieser Moment war erlösend. Wir hatten solche Angst, niemanden zu finden. Aber es gab einen Engel für unser Kind.

Noch besteht die 2-jährige Anonymitätsfrist. Hast du den Wunsch den Spender von Sofia kennenzulernen? Was würdest du ihm heute sagen, wenn er dir gegenüberstehen würde?

Ich will den Spender unbedingt kennenlernen und er uns auch, das teilt er uns zumindest in den Briefen mit. Was ich ihm sagen würde? Ich würde ihn in den Arm nehmen, furchtbar weinen und ihm „Danke“ und „Ich liebe dich!“ sagen. Er hat mein Kind gerettet und ist so zu einer der bedeutendsten Person für uns geworden.

Sofia ist lebhaft und lebenslustig.

Ihr habt eine schwere Zeit hinter Euch. Was hat Eurer Familie die Kraft gegeben, das alles zu meistern? Welche Hürden stehen in Zukunft an?

Sofia gibt uns Kraft. Unsere Eltern und Freunde waren und sind noch immer eine riesen Unterstützung. Aber das Leben danach ist schwerer als man denkt. Ich habe mir vorgestellt, jetzt gehst du mit deinem Baby nach Hause und alles ist wieder gut. Aber so einfach ist das leider nicht. Mein Mann hat seinen Job als KFZ-Mechatroniker aufgrund der Erkrankung von Sofia verloren. Ich bin ihm so dankbar, dass die Familie an erster Stelle für ihn kommt. Das schätze ich so sehr an ihm. Für die Zukunft stehen also drei Hürden an, die wir meistern müssen. Eine Arbeit für meinen Mann finden, einen Kindergartenplatz für Sofia und auch ich möchte auch wieder arbeiten.

Sofia gibt uns Kraft. Unsere Eltern und Freunde waren und sind noch immer eine riesen Unterstützung.

Am 28. Mai feiern wir den Word Blood Cancer Day (WBCD), das ist ein Aktionstag für Blutkrebspatienten und deren Angehörige und hat die Kernbotschaft: Ihr seid nicht allein! An diesem Tag sollen die Menschen global ein Zeichen setzen, das &-Zeichen, und auf die vielen Hilfsmöglichkeiten aufmerksam machen. Hast du das Gefühl, dass die Menschen bereits genug darüber aufgeklärt sind, was Blutkrebs ist und was man dagegen tun kann?

Auf keinen Fall sind die Menschen genug aufgeklärt. Wenn ich manchmal höre: „Ich hab Angst, dass ich nach einer Stammzellspende gelähmt bin.“, dann wird mir schlecht. In ca. 80% der Fälle werden die Stammzellen der Blutbahn entnommen. Man kann sich das wie eine Dialyse vorstellen, es ist also keine Operation notwendig. Und bei den anderen 20% der Fälle wird eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm durchgeführt und da besteht nur das allgemeine Narkoserisiko. In unserer heutigen digitalen Welt müssen wir viel mehr Prominente für den Kampf gegen Blutkrebs gewinnen. Auch die jungen YouTube-Sternchen sind passende Botschafter, denn sie erreichen echt viele Menschen. Ich wünsche mir auch mehr Plakate und mehr Gesichter. Denn so schlimm es klingt, das Gesicht und die Augen meines kleinen Löwenherzen hat Tausende Menschen dazu bewegt, sich registrieren zu lassen. Ich denke nur mit Worten erreicht man heutzutage keinen. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam alle mehr aufklären, daher ist der WBCD am 28. Mai ein ganz wichtiger Tag für mich.