„Ich würde jeder Zeit wieder zur Verfügung stehen!“ - Silvio berichtet über seine Stammzellspende

18 August 2014

Bereits im Jahr 2009 hatte ich mich bei der DKMS registriert. Meine genauen Beweggründe kann ich im Nachhinein gar mehr nicht nennen. Damals hatte ich noch gar keine Ahnung, wie die DKMS arbeitet und was diese Organisation überhaupt leistet. Das Registrierungsset bestellte ich mir über das Internet. Ein herzzerreißender Bericht im Fernsehen oder ein Spendenaufruf war nicht mein Beweggrund. Ich hatte einfach das Gefühl auf diesem Weg etwas Gutes tun zu können.

Irgendwo auf der Welt ist jemand, der auf mich angewiesen ist.

Im März 2012 war es dann auf einmal soweit. Ich hatte bis dahin nicht viel von der DKMS gehört, doch jetzt kam mein Einsatz. Nach einer Blutabnahme bei meiner Hausärztin war schnell klar: Ich passe – meine Stammzellen können möglicherweise einem erkrankten Menschen ein neues Leben schenken! Zu diesem Zeitpunkt ging mir so einiges durch den Kopf: einerseits war ich froh, mich jetzt ernsthaft engagieren und helfen zu können. Auf der anderen Seite hatte ich nun eine Verantwortung. Irgendwo auf der Welt ist jemand, der auf mich angewiesen ist. Mir wurde recht schnell klar, dass ich auch froh wäre, wenn sich jemand bereit erklären würde zu spenden, wenn ich selbst oder jemand aus meiner Familie Hilfe bräuchte.

Mein erster Weg führte mich ins Cellex-Zentrum nach Dresden. Hier wurde ich freundlich empfangen, aufgeklärt und gründlich untersucht. Ob einer damals noch frischen Tätowierung wurde ich zunächst als „bedingt geeignet“ eingestuft. Die Empfängerklinik hätte meine Spende noch ablehnen können. Glücklicherweise stellte sich die erste vorsichtige Einstufung als unbedenklich dar und ich durfte Spenden.

Ich konnte also mit geringem Aufwand ein Leben retten!

Nach einem Telefonat mit der DKMS, um den Termin für die Spende und die übrigen Umstände abzusprechen, hatte ich eher das Gefühl eine Wellness-Reise gebucht zu haben, so wurde ich umsorgt.

Meine zweite Station war dann Dresden. Ich bezog Quartier im Hotel und machte mich am nächsten Morgen zu Fuß auf den Weg zum Spenden-Zentrum. Nach einer weiteren Blutabnahme ging es in den Spenderraum. Dort saßen schon drei weitere Spender. Während der Spende sahen wir uns gemeinsam einen Film an. Kaum war dieser zu Ende, wurde ich auch schon wieder vom Separator getrennt. Mir wurde mitgeteilt, dass ich eine sehr hohe Stammzellen-Konzentration im Blut hatte und somit kein zweiter Termin notwendig wäre. Nach einer Stärkung durfte ich dann mein erstes Fähnchen an die deutschlandweite Spenderkarte stecken. Ich hoffe, dass es nicht mein letztes sein wird.

Nichts bewegte mich in diesem Moment mehr, als die Geschichte "meines" Patienten.

Von der DKMS erfuhr ich, dass mein Patient ein älterer Mann aus Deutschland ist. Ich wollte unbedingt, dass er es schafft und wieder gesund wird. Nichts bewegte mich in diesem Moment mehr, als die Geschichte "meines" Patienten. Leider ist eine persönliche Kontaktaufnahme in Deutschland gesetzlich erst nach zwei Jahren möglich.

Auf eine E-Mail hin, die ich meinem Patienten über die DKMS zukommen ließ, erhielt ich ein Dankeschön-Paket der DKMS zugesandt. Das wäre natürlich nicht nötig gewesen, aber ich freute mich riesig über diese kleine Anerkennung. Auch die Urkunde, die ich von meinem Dienstherren, samt persönlicher Danksagung ausgehändigt bekam, machte mich stolz. Leider habe ich bis heute noch nicht gehört, ob mein Patient es geschafft hat und wie es ihm jetzt geht. Es ist mir ein Bedürfnis und ich hoffe, dass er wohlauf ist.

Letztendlich muss ich feststellen, dass ich jederzeit wieder für eine Stammzellspende zur Verfügung stehen werde. Einem Menschen diese Chance bieten zu können, und sei sie noch so klein, gibt einem selbst unsagbar viel.

Ich kann, nein ich muss jeden dazu auffordern, sich registrieren zu lassen - sei dabei!