Aus „genetischen Zwillingen" können Freunde werden

Der erste persönliche Kontakt zwischen Spender und Patient ist oft ein unvergesslicher Moment für beide. Je nach Länderregelung ist ein Austausch von persönlichen Daten zwei Jahre nach der Spende möglich. Häufig berichten Spender und Patient im Nachgang, dass sie nicht nur „genetische Zwillinge“ sind, sondern auch eine Reihe verblüffender Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten in verschiedenen Lebensbereichen entdeckt haben. Aus vielen Begegnungen zwischen Spendern und Patienten entwickeln sich enge Freundschaften, auch oft zwischen den Familien beider Seiten.

Möchten Sie „Ihren“ Patienten kennen lernen? Wir kümmern uns um alles Nötige für eine mögliche Kontaktaufnahme. Sprechen Sie uns einfach an!

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Wie geht es „meinem“ Patienten?

Unmittelbar nach der Stammzellspende kann der DKMS-Spender telefonisch über den ihm zugeordneten Koordinator das Geschlecht, Alter und Nationalität des Patienten erfahren. In der Regel drei Monate nach der Spende erfragt die DKMS den Gesundheitszustand des Patienten beim Transplantationsklinikum. Daraufhin wird der Spender benachrichtigt.

Ein anonymer Kontakt (E-Mail oder Brief) zwischen Spender und Patient ist in vielen Ländern ab dem Tag der Stammzellspende möglich. Die DKMS steht hierbei als Mittler zur Verfügung. Der erste persönliche Kontakt zwischen Spender und Patient kann in Deutschland zwei Jahre nach der Spende erfolgen. Mehr Informationen zur anonymen Kontaktaufnahme finden Sie in unserer Broschüre unter "Warum gibt es eine Anonymitätsfrist".

In einigen Ländern ist der Kontakt anders geregelt. Nähere Informationen hierzu finden Sie in unserer Informationsbroschüre im Kapitel "Länderregelung".

Anonymitätsfrist - Ruhe für den Patienten

In den ersten zwei Jahren nach der Stammzelltransplantation entscheidet sich, ob und wie gut der Patient mit den transplantierten Stammzellen genesen wird. Daher dürfen sich Spender und Patient in dieser Zeit grundsätzlich nicht persönlich kennen lernen. Die zweijährige Anonymitätsfrist gilt in Deutschland wie in den meisten Ländern der Welt. Diese Frist ist nicht willkürlich gewählt. Aus folgenden Gründen gilt die Anonymitätsfrist:

Erneute Spende

Nach der erfolgten Stammzellspende ist der Spender zwei Jahre lang für „seinen“ Patienten „reserviert“, falls dieser erneut eine Spende benötigt. Hätten sich Spender und Patient zu diesem Zeitpunkt bereits persönlich kennengelernt, wäre es für den Spender schwerer, frei und ohne emotionalen Druck zu entscheiden, ob er zu einer weiteren Spende bereit ist.

Genesungszeit des Patienten

Die eigene Genesung beansprucht den Patienten voll und ganz. Es dauert meist einige Monate, bis er wieder einigermaßen bei Kräften ist und in seinen Alltag zurückkehren kann. Er benötigt diese Zeit, um das Erlebte für sich und mit seinen Angehörigen zu verarbeiten. Einer so emotionalen Situation wie der persönlichen Kontaktaufnahme mit der Person, die die lebensrettenden Stammzellen gespendet hat, sind manche Patienten in dieser Zeit nicht gewachsen.

Weitere Informationen

Broschüre Spender-Patienten-Kontakt

Weitere Informationen zur Anonymitätsfrist finden Sie in unserer Informationsbroschüre.

Aus Anonymität wird Realität

Das erste Treffen ist ein besonders wichtiger Moment, denn nun kann der Spender unmittelbar erleben, dass durch seinen persönlichen Einsatz ein Menschenleben gerettet wurde. Nach Ablauf der Anonymitätsfrist von regulär zwei Jahren können in vielen Ländern sowohl Spender als auch Patient den Wunsch äußern, sich persönlich kennen zu lernen.

DKMS-Spender wenden sich dann an die DKMS, um nötige Formulare für den Adressaustausch anzufordern. Der persönliche Kontakt zum Patienten bietet die Möglichkeit, sich auf einer ganz neuen Ebene auszutauschen. Durch die Stammzellspende entsteht eine Art Verbundenheit, so wie bei Susann und "ihrer" amerikanischen Patientin Nina.

Oft kann diese Verbundenheit nur vom Empfänger der Spende und dem Spender verstanden werden. Sie möchten Kontakt zu „Ihrem“ Patienten aufnehmen? Schreiben Sie uns eine E-Mail! Wir kümmern uns um das weitere Vorgehen.

„Wir sind uns erst mal in die Arme gefallen“

Daniel aus Schafhausen und Simon aus Dettelbach - junge Männer Anfang 20, unter normalen Umständen hätten sie sich wahrscheinlich nie kennengelernt. Aber nun teilen sie eine außergewöhnliche Geschichte, denn eine Stammzellspende von Daniel hat Simon das Leben gerettet. Simon war 17 Jahre alt, als er an Blutkrebs erkrankte. Im Oktober 2008 erfuhr er, dass er zum Überleben eine Stammzellspende benötigt. Daniel hatte sich im Jahr 2005 bei einer Betriebstypisierung der DKMS als potenzieller Stammzellspender registrieren lassen. Damals war er noch Auszubildender bei der Telekom. Der heute 27-Jährige ist sehr froh, denn er konnte einem anderen Menschen das Leben retten.

Der Kontakt zwischen Spender und Empfänger ist in Deutschland erst nach zwei Jahren möglich. Kurz nach Ablauf der Frist bekam Daniel einen Brief von der DKMS: Sein Empfänger wolle ihn kennenlernen, ob er einverstanden sei, dass seine Kontaktdaten weitergegeben würden. „Die Erlaubnis habe ich sehr gerne gegeben.“

Für beide war ihr erstes Treffen sehr bewegend: „Wir sind uns erst mal in die Arme gefallen“, erinnert sich Daniel. Simon war vor dem Treffen sehr aufgeregt, denn er wusste nicht einmal, ob er einem Mann oder einer Frau begegnen würde.

Das beherrschende Gefühl sei aber die Dankbarkeit gewesen. „Ich stand dem Menschen gegenüber, dem ich mein Leben verdanke“, sagt Simon. Bei dem einen Treffen sollte es nicht bleiben. Simon und Daniel stehen in lockerem Kontakt, und sind sich einig, dass ihre erste Begegnung unvergesslich bleiben wird.

Nehmen Sie Kontakt zu „Ihrem“ Patienten auf

Die DKMS hat im Laufe ihrer über 26-jährigen Arbeit zahlreiche positive Rückmeldungen von Spendern und Patienten erhalten, die nach der Spende in Kontakt getreten sind. Die Frage, ob ein Spender mit „seinem“ Patienten Kontakt aufnehmen möchte, ist eine sehr persönliche und es gibt keine generelle Antwort auf diese Frage. Hier muss letztendlich jeder Spender für sich selbst entscheiden. Wenn Sie Kontakt zu „Ihrem“ Patienten aufnehmen möchten, können Sie uns gerne kontaktieren. So können wir gemeinsam besprechen, welche Möglichkeiten die Länderregelungen „Ihres Patienten" zulassen. Unsere Abteilung Spender-Patienten-Kontakte ist unter der E-Mail donor2patient@dkms.de oder telefonisch über 07071-943 2303 erreichbar. Wir versorgen Sie mit allen nötigen Informationen. Nach Ablauf der Anonymitätsfrist stellen wir auf Wunsch den Kontakt zwischen Ihnen und „Ihrem“ Patienten her.