„Sie darf nicht aufgeben“ - Nicoles doppelte Spende Pt.1

20 Juli 2017

Im letzten Jahr hat Nicole Stammzellen gespendet, um ihrer genetischen „kleinen Schwester“ aus England zu helfen, den Blutkrebs zu besiegen. Vor Kurzem der Schock: Ein Rückfall. Die Nachricht traf sie sehr. Aber bei der Frage, ob sie erneut spenden würde, zögerte Nicole keine Sekunde.

„Nicole, die DKMS ist am Telefon!“ – damit begann die Botschaft, vor der ich mich gefürchtet hatte: So sehr hatte ich gehofft, dass meine kleine Schwester mit meiner Spende den Blutkrebs besiegen konnte und meine Stammzellen bei ihr bereits fleißig ihre Arbeit aufgenommen hatten. Noch wenige Tage zuvor hatte ich einem Freund begeistert von meiner Spende berichtet, davon, wie einfach es war zu helfen und wie gut organisiert – er selbst war ebenfalls ein potentielles Match für einen Patienten. Nun überrollten mich meine Gefühle für meine „Gen-Schwester“, innerlich begann ich zu zittern und meine Augen füllten sich mit Tränen. Doch erst einmal kümmerte ich mich um das Wichtigste: Die Zusage zu einer zweiten Spende. Natürlich war ich bereit!

"Doch erst einmal kümmerte ich mich um das Wichtigste: Die Zusage zu einer zweiten Spende."

Blutkrebs. Schon wieder! Meine Stammzellen hatten den Krebs nicht besiegt. Ich war niedergeschlagen, ich musste das selbst erst einmal begreifen. Ich realisierte, wie wenig Zeit meine „kleine Schwester“ in der Zeit zwischen der Erstdiagnose und dem Rückfall nur zuhause gehabt haben konnte, in Anbetracht der starken Chemotherapie und Isolation und der Quarantäne nach der Transplantation. Viel zu wenig Zeit, um wieder zu beginnen zu leben, sich mit Freunden zu treffen, ins Kino zu gehen und all die Dinge zu machen, die für uns so selbstverständlich sind. Die wir schlimmerweise gar nicht wirklich schätzen, weil sie für uns so selbstverständlich sind. Und jetzt muss sie das alles noch einmal durchleben. Wie es ihr wohl geht – und ihrer Familie? Ob sie schon ahnen kann, dass ich niemals zögern würde, noch einmal für sie zu spenden und weiter für sie da zu sein?

"Ihr Rückfall trifft mich schon jetzt so tief."

Ihr Rückfall trifft mich schon jetzt so tief, ich kann mir kaum ausmalen, wie es wäre, würden wir uns schon persönlich kennen. Und auch für sie wäre es sicher schwerer, noch einmal um eine Spende zu bitten. Dennoch möchte ich sie natürlich unbedingt nach zwei Jahren treffen. Ich habe sie noch nie gesehen, kenne sie nicht, sondern habe nur wenige Informationen. Und dennoch liegt sie mir so sehr am Herzen. Wir mögen zwar Fremde sein, aber trotzdem sind wir uns nicht fremd – es ist, als gäbe es ein unsichtbares Band zwischen uns. Sie darf nicht aufgeben, sie muss kämpfen! Und ich kämpfe mit ihr, ich bin da, sie kann sich auf mich verlassen. Und ich hoffe so sehr, dass sie mit der zweiten Spende den Blutkrebs besiegen kann!“

"Wir mögen zwar Fremde sein, aber trotzdem sind wir uns nicht fremd."

In Teil 2 von Nicoles Geschichte erfahrt Ihr dann, wieso Nicole ihre Spende so sehr mit dem VfB Stuttgart verbindet und dieser ihr Optimismus und Hoffnung schenkte.

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