„Die Spende war für mich ein Klacks!“

7 Februar 2017

Viele Menschen regen sich darüber auf, wenn andere „ständig online sind“ – aber in Tinas Fall hat ein Beitrag auf Facebook dafür gesorgt, dass ein Blutkrebspatient eine zweite Chance auf Leben bekommen hat:

„Ich habe einen Aufruf der DKMS gesehen, in dem es um eine junge Studentin aus meiner Heimatstadt ging. Sie suchte dringend einen Spender. Es gab diverse Registrierungsaktionen, aber ich habe mich erstmal auf der Webseite der DKMS eingelesen und mich dann dazu entschlossen, mir ein Registrierungsset zu bestellen. Warum? Die Infos haben mir gezeigt, wie einfach man helfen kann. Und ich habe verschiedene Beiträge von Patienten angeschaut, das hat mich so traurig gemacht, vor allem weil so viele noch sehr jung waren, auch ganz kleine Kinder, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Also habe ich mich entschlossen, mich auch zu registrieren, um vielleicht irgendwann mal helfen zu können.“

Ein Jahr später steht Tina mit ihrem Freund auf dem Parkplatz eines Baumarktes, während sie die komplett unerwartete Nachricht von ihrer Mailbox abhört, dass sie als Spenderin infrage kommt. Für sie eine völlig irreale Situation: „Ich dachte irgendwie erst, das sei ein Scherz. Das klingt skurril, aber ich war einfach völlig überrascht und wusste gar nicht, wie ich damit umgehen sollte… Was das für mich heißt, war mir auch noch nicht gleich so bewusst.“ Verständlich, vor allem, wenn man in Betracht zieht, wie gering die Chance ist, tatsächlich als Stammzellspender für einen Patienten infrage zu kommen.

In Tinas Fall hat ein Beitrag auf Facebook dafür gesorgt, dass ein Blutkrebspatient eine zweite Chance auf Leben bekommen hat

Im Anschluss an die überraschende Nachricht rief Tina direkt zurück und erhielt dann eine genaue Erklärung darüber, was nun weiter passieren und wie die Spende ablaufen würde. Zudem bekam sie auch umfangreiches Info-Material. Es folgten Termine beim Hausarzt und die ausführliche Voruntersuchung, um sicherzustellen, dass Patient und Spender wirklich ein genaues „Match“ sind. Schließlich gab es im Dezember das OK. „Das war ein Wahnsinnsgefühl – einfach unbeschreiblich!

In Tinas Fall sollten die Stammzellen aus dem Beckenkamm entnommen werden. Dieses Verfahren wird in ca. 20% der Spenden angewendet (einen Erfahrungsbericht zur häufigeren peripheren Stammzellspende gibt es hier). Unter Vollnarkose wird dabei Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Dann werden daraus die Stammzellen gewonnen und für die Transplantation vorbereitet.

In der Vorbereitung auf die Entnahme achtete Tina vor allem darauf, dass sie im frostigen Winter immer warm angezogen war und reichlich Vitamine zu sich nahm, um ja nicht krank zu werden.

In der Vorbereitung auf die Entnahme achtete Tina vor allem darauf, dass sie im frostigen Winter immer warm angezogen war und reichlich Vitamine zu sich nahm, um ja nicht krank zu werden. Da ihre Eisenwerte etwas niedrig waren, nahm sie zudem jeden Tag Tabletten ein. Ansonsten gab es keine Vorbereitungen – bis auf die vielen Gedanken natürlich, die man sich wohl automatisch macht, wenn man einer fremden Person das Leben retten kann und dadurch eine besondere Verbindung entsteht.

„An wen geht meine Spende? Wie geht es dem Patienten wohl jetzt? Wie wird er oder sie wohl sein? Kann ich ihm oder ihr hoffentlich das Leben retten?“ Diese Fragen begleiteten Tina – vor und nach der Spende. „Die Spende selbst war im Nachhinein betrachtet wirklich ein Klacks! Mir ging es sogar so gut, dass ich mich noch am OP-Tag selbst entlassen habe. Es war alles super organisiert und das Personal im Krankenhaus war sehr lieb und fürsorglich. Vor allem die Schwestern im OP waren klasse! Sie haben sich alle für mich gefreut und bewundert, dass ich das alles für einen fremden Menschen tue.“

In Tinas Fall sollten die Stammzellen aus dem Beckenkamm entnommen werden.

Auch in Tinas Freundeskreis fanden es viele superklasse, dass sie Stammzellen gespendet hat und so einem Patienten eine zweite Chance auf Leben ermöglicht. Einige ihrer Freunde hatten zwar auch etwas Angst vor der OP, aber Tina ist sich sicher: „Wenn es wirklich dazu kommen würde, wer würde es dann nicht machen? Und natürlich wollten alle alles über meine Spende wissen!“

Tina ist jetzt vor allem gespannt, wem sie hoffentlich das Leben retten durfte. Am Tag nach ihrer Stammzellspende erfuhr sie Herkunft, Alter und Geschlecht des Empfängers und hofft nun auf eine erste Nachricht, wie es „ihrem“ Patienten geht. „Irgendwie stelle ich sie mir so vor, wie ich auch selbst bin: quirlig, voller Tatendrang, jemand, der sein ganzes Leben noch vor sich hat. Ich hoffe, dass ein Briefkontakt entsteht und würde mich riesig freuen, wenn wir uns nach Ablauf der zweijährigen Anonymitätsfrist kennenlernen könnten!“

Tina ist jetzt vor allem gespannt, wem sie hoffentlich das Leben retten durfte.

Als registrierter Stammzellspender haben auch Sie die Chance, einem Patienten eine zweite Chance auf Leben zu schenken. Die Registrierung nimmt nur wenige Minuten Zeit in Anspruch, aber diese wenigen Minuten können vielleicht einem Menschen das Leben retten! Jetzt als potenzieller Stammzellspender registrieren!