Wissen, wofür man es tut! Marcs Spenderbericht

12 Juni 2019

Vor etwa dreieinhalb Jahren, im Winter 2016, ließ Marc sich registrieren. Und schon knapp drei Monate später – also ungefähr zu der Zeit, in der normalerweise gerade die Spenderkarte im eigenen Briefkasten liegt – erhielt er die Nachricht, dass er für einen Patienten als möglicher Spender infrage kommt.

„Stäbchen rein, Spender sein – es ist tatsächlich so einfach, wie es sich anhört. Und bei mir ging es von der Registrierung bis zur Spende auch tatsächlich sehr schnell! Nachdem ich die Info bekommen hatte, dass ich vielleicht wirklich jemandem irgendwo da draußen in der weiten Welt mit einer Stammzellspende helfen kann, musste ich erst einmal eine Blutprobe an die DKMS schicken. Und ziemlich schnell war klar: Ja, ich bin es, der diesem Patienten helfen wird.

Doch was genau heißt das eigentlich? Das erfuhr ich in einem Telefonat. Schnell war auch der Termin für die Voruntersuchung gemacht. Das „Wann“ der Spende allerdings stellte eine Herausforderung dar: Genau in dieser Zeit hatte ich die „heiße“ Prüfungsphase in meinem Studium, die Termine kollidierten sowohl mit meiner Vorbereitung als auch einem Prüfungstermin. Puh. Doch mir wurde mehr und mehr bewusst, wofür ich das Ganze mache. Und die Entscheidung war klar: Ich würde trotz aller Umstände alles dafür tun, um diesem Menschen auf der anderen Seite so schnell wie möglich zu helfen! Im Gegensatz zu mir und meinen Prüfungen hat dieser nämlich keinen Zweitversuch…

Da das Ganze dann doch ziemlich zügig passieren musste und die Kliniken in meiner Heimatstadt zu ausgelastet waren, reiste ich für die Voruntersuchung und die Stammzellentnahme nach Dresden. Die Voruntersuchung lief reibungslos ab. Es wird wirklich alles gecheckt, das ist doppelt gut: Man bekommt einen kostenlosen Gesundheitscheck und weiß dann wirklich mal über alles in seinem Körper Bescheid. Nach einigen Tagen wurde mir gesagt, dass alles in Ordnung ist und die Spende wie geplant verlaufen kann. Und dann kam er näher, der entscheidende Tag!

In der Vorbereitung musste ich mir ein Medikament spritzen, das die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert. Man fängt fünf Tage vor der Spende damit an und spritzt sich zwei Mal pro Tag. Ja, das kostet definitiv erstmal etwas Überwindung, aber schon nach der ersten Spritze hatte ich keinerlei Ängste mehr, da es null weh tat. Was jedoch unangenehm war, war mein körperlicher Zustand: Das Medikament hat Nebenwirkungen, die sich bei jedem unterschiedlich stark bemerkbar machen. Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, grippeartige Symptome – bei mir waren es Brust und Becken, beide taten weh. Und ich fühlte mich tatsächlich echt schwach. Doch auch hier wusste ich, wofür ich es tat! Natürlich sind die Schmerzen doof, aber wie muss es erst dem Patienten gehen?!

Einen Tag vor der Spende fuhr ich dann wieder nach Dresden. Sehr schön war, dass meine damalige Freundin mitkommen konnte. Wir führten eine Fernbeziehung und waren somit über jede gemeinsame Zeit sehr dankbar – und dann auch noch gemeinsame Zeit beim Leben retten! Bei der gesamten Organisation war die DKMS höchst hilfsbereit, meine Bahnreise wurde bezahlt, genauso wie die Verpflegung und vor der Voruntersuchung und der Spende durfte ich in einem wirklich schönen Hotel übernachten. Vielleicht denken einige „Das ist doch selbstverständlich!“, aber ich war sehr positiv überrascht.

Am Tag vor der Spende hatten wir uns noch ein wenig die Stadt angesehen, dann war es am nächsten Morgen so weit: 11 Uhr – Zeit, zu helfen! Ich wurde in den Entnahmeraum geführt, zwei weitere Spender waren bereits an die Maschinen angeschlossen, insgesamt sieht es ähnlich aus wie bei einer Blutwäsche. Ich legte mich auf das Krankenbett und dann ging es auch bei mir los. Nachdem mir von den Schwestern und Ärzten noch einiges erklärt wurde, bekam ich Getränke und Filme. Ich entschied mich für „Herr der Ringe“ – schließlich sollte die Spende 3-5 Stunden dauern und ich wollte ja beschäftigt sein…

Schon nach einer Stunde erhielt ich die schöne Nachricht, dass ich in einer weiteren Stunde schon fertig sein würde. Das Medikament hatte bei mir sehr gut angeschlagen und die geforderte Menge an Stammzellen war eher gering. 1:50h – eine wahre Rekordzeit, wie mir eine Schwester sagte! Und zack, war ich auch fertig.

Im Hotel begann dann die härteste Zeit: Ich bekam Rückenschmerzen und quälte mich 1,5 Tage, obwohl ich nicht weihleidig bin. Aber auch in dieser Zeit wusste ich, wofür ich das getan hatte! Kurze Zeit später ging es mir aber wieder blendend.

Ich wurde seitdem oft gefragt, wie ich mich jetzt fühle. Auch das Wort „Held“ fiel einige Male. Ich bin kein Held, zumindest fühle ich mich nicht so. Eigentlich finde ich, dass es selbstverständlich sein sollte zu helfen, wenn man dazu in der Lage ist. Natürlich bin ich froh, dass ich es gemacht habe und auch ein wenig stolz. Und ich kann nur jeden aufrufen: Registrier Dich als Stammzellspender! Ihr habt so wenig zu leisten, um Leben retten zu können. Es gibt nichts, wovor ihr Angst haben müsstet. Und wenn sich auch nur eine Person aufgrund meines Berichts dazu entscheidet, Spender zu werden, habe ich meinen einzigen anderen Auftrag auch erfüllt!“