Der Kampf gegen Voldemort – Elisas Geschichte Teil 1

Vor Kurzem ist Elisa 19 Jahre alt geworden. Fast zeitgleich mit ihrem Geburtstag jährt sich auch die Diagnose Blutkrebs. Uns erzählt sie von diesem letzten Jahr, das so ganz anders verlaufen ist, als sie es sich vorgestellt hat. Eigentlich stand das Abitur auf dem Plan. Stattdessen verbrachte sie viel Zeit im Krankenhaus, um gegen Voldemort zu kämpfen – so nennt sie den Krebs, über den sie auch auf ihrem Blog und über Instagram berichtet:

„Seit Sommer hatte ich eine Erkältung, die immer schlimmer wurde. Ich war ständig müde und schlapp, die Tage vergingen nur mühsam. An meinem 18. Geburtstag fuhr ich in einer Freistunde nach Hause und kam wieder komplett verschwitzt und außer Atem dort an. Meinen Geburtstag habe ich eigentlich völlig fertig hinter mich gebracht. Ich wurde diese Erkältung einfach nicht mehr los. Doch ich habe nicht weiter darüber nachgedacht – ich meine, jeder kennt das doch, man verschleppt sie eben leicht.“

Wenige Tage nach ihrem Geburtstag fährt Elisa auf Seminarfahrt nach Wien. Eigentlich scheint alles soweit in Ordnung – doch in den letzten beiden Tagen kommen zum Nachtschweiß noch viele blaue Flecken hinzu. „Im Nachhinein frage ich mich auch, wieso ich das Ganze nicht noch ernster genommen habe. Aber man rennt ja nicht direkt wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt.“

„Seit Sommer hatte ich eine Erkältung, die immer schlimmer wurde."



Als sie immer schlechter Luft bekommt, nachts panisch aufwacht und sich noch mehr blaue Schnürungen unter ihrer Brust bilden, geht Elisa erneut zum Arzt und versucht, spontan einen HNO-Termin zu bekommen. "Nach gerade einmal fünf Minuten hieß es plötzlich: „Bitte packen Sie einige Klamotten und begeben sich auf direktem Weg nach Münster, wir werden Sie dort als Notfall anmelden!“ Mir schossen unendlich viele Fragen durch den Kopf: Wieso nach Münster? Hat das nicht noch Zeit bis morgen, es ist doch schon so spät? Wieso als Notfall? Was ist denn mit mir? Auf meiner Überweisung stand „Lymphom“. Ich googelte und war sichtlich geschockt, als dort etwas von Krebs stand. Aber jeder weiß ja: Wenn man irgendwelche Symptome bei Google eingibt, steht dort meistens, dass am nächsten Tag alles vorbei ist. Ihr wisst, was ich meine. Ich versuchte, mir das Ganze schön zu reden.“

Am nächsten Tag folgt dann der Schock: Eine Biopsie am Lymphknoten soll Aufschluss geben, ob Elisa wirklich an einer Krebsart erkrankt ist. Kein weiteres Ausblenden ist mehr möglich. An ihrer linken Halsseite soll ein ca. 7 cm großer Schnitt gemacht werden. Elisa erzählt uns: „Ich musste schlucken, denn ich wurde bis zu diesem Augenblick eigentlich noch nie operiert. Ich sollte wach sein, nur lokal betäubt, während Menschen direkt an meinem Hals „rumschnibbeln“. In diesem Moment erinnerte ich mich daran, wie die Krankenschwester in der Notaufnahme sagte, ich dürfe mein Lächeln niemals verlieren, egal wie hart es werde. Ich wusste nicht, was sie damit meinte – doch nun wurde es mir langsam klar.“

Elisa und ihr Kampf gegen den Krebs



Für die Biopsie wird Elisa dann doch in Vollnarkose gelegt. Während des Eingriffs entscheiden die Ärzte, sie nach der Operation weiter schlafen zu lassen. Elisa kommt auf die Intensivstation. Die Ärzte konnten nicht extubieren, da ihr Körper so angeschwollen war, nun soll sie sich erst einmal erholen. Franzi, Elisas Schwester, berichtet: „Meine kleine Schwester lag im Koma. Ein Wort, das wir beide sonst nur aus Grey’s Anatomy kennen. Und jetzt soll es um Elisa gehen?“

Als Elisa die endgültige Diagnose Blutkrebs bekommt, wird ihr erneut völlig der Boden unter den Füßen weg gerissen.

Elisa wacht wieder auf. Als sie die endgültige Diagnose Blutkrebs bekommt, wird ihr erneut völlig der Boden unter den Füßen weg gerissen. So viele Fragen, so viele Ängste – und eine so große Aufgabe: Der Kampf gegen ihren persönlichen Voldemort. Wie es nach der Diagnose weiter ging, wie es Elisa aktuell geht und wofür sie alle Kräfte mobilisiert, erfahrt ihr in Teil 2.