"Ich würde es jederzeit wieder machen" - Matthias Kitzka über seine Stammzellspende

25 April 2014

Matthias Kitzka aus dem westfälischen Geseke war gerade 18 Jahre alt geworden, als 2007 eine Registrierungsaktion der DKMS an seinem Gymnasium stattfand. Er und seine Freunde zögerten nicht lange und ließen sich als potenzielle Stammzellspender in die Datei aufnehmen. Hier erzählt der 25-Jährige Hobbyfußballer von seinen Erfahrungen mit der Spende und wie er damit umgeht, dass sein genetischer Zwilling trotz seines selbstlosen Einsatzes nicht überleben konnte.

„Im August 2007 bekam ich einen Brief von der DKMS, dass ich als möglicher Spender in Frage komme. Die DKMS schickte zusätzlich zu der Nachricht noch eine Broschüre über das Thema Blutkrebs und die Stammzellspende mit. Außerdem bekam ich einen Ansprechpartner, den ich bei möglichen Fragen jederzeit anrufen konnte.

Der Moment nach der Narkose war unbeschreiblich.

Nach weiteren Bluttests beim Hausarzt erhielt ich bald darauf die Nachricht, dass ich nun endgültig der passende Stammzellspender für eine an Leukämie erkrankte Person bin. ‚Unglaublich‘, dachte ich. Ich war völlig überrascht und konnte es nicht fassen, dass ich schon so kurz nach der Registrierung helfen kann. Ich musste nach der Nachricht erst einmal mit meinen Eltern und Schwestern sprechen. Meine Familie hat mich während der gesamten Zeit immer unterstützt. Außerdem informierte ich mich bei meinem Ansprechpartner von der DKMS über die Art der Spende und die weiteren Schritte bis zur Spende.

Nach den vielen Gesprächen wurde mir schnell bewusst, dass meine Spende vielleicht die letzte Lebenschance für einen Menschen ist. Bald darauf wurde ich mit weiteren Untersuchungen durchgecheckt. Oft gingen mir Gedanken durch den Kopf, wie es meinem genetischen Zwilling geht. Ich hoffte, dass die Spende noch früh genug für ihn kommt.

In manchen Fällen darf sich der Spender die Art der Entnahme aussuchen. Ich entschied mich für die weniger häufig durchgeführte, operative Entnahme. Dabei wird unter Narkose Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Für mich persönlich war es die erste OP, weshalb ich vorher schon ein bisschen nervös war. Die Aufnahme war vom ersten Tag an top. Das Personal kümmerte sich bestens um mich und die behandelnden Ärzte waren sehr nett und klärten mich genau über die anstehende Operation auf. Von der Operation an sich habe ich nichts mitbekommen. Nur nach der Operation fühlte ich mich körperlich etwas schwach und müde, aber der Moment nach der Narkose war unbeschreiblich. Die Freude, jemandem helfen zu können, war tausendmal größer als die leichten Schmerzen am Becken. Insgesamt lag ich 3 Tage im Hamelner Krankenhaus. Meine Familie hat mich im Krankenhaus besucht und unterstützt. Auch meine Freunde reagierten alle positiv auf die Spende.

Es ist die letzte Chance für eine Menschen. Man sollte die Hoffnung nie aufgeben.

Nach der Operation war ich sehr neugierig und fragte mich wochenlang, wie es meinem genetischen Zwilling geht. Hinweise zum Gesundheitsstand des Patienten konnte mir die DKMS noch nicht geben. Ein halbes Jahr später bekam ich dann die traurige Nachricht, dass der Patient verstorben ist. Es war für mich ein Riesenschock. Ohne dass ich meinen Patienten persönlich kannte, war für mich mit der Zeit eine gewisse Beziehung entstanden und ich hatte die Hoffnung, meinem genetischen Zwilling irgendwann einmal gegenüberstehen zu können. So konnte ich mit meiner Stammzellspende dem Patienten und den Angehörigen letztendlich ‚nur‘ kurze Zeit die Hoffnung auf ein gesundes Leben schenken. Trotz des medizinischen Fortschritts verläuft leider nicht jede Behandlung erfolgreich.

Man sollte die Hoffnung jedoch nicht aufgeben. Auch wenn es für meinen Patienten leider nicht gereicht hat: Es ist die letzte Chance für einen Menschen. Nach den Erfahrungen mit der DKMS würde ich es jederzeit wieder machen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich über die DKMS zu informieren und sich zu registrieren. Je mehr Menschen sich registrieren, desto größer ist die Chance, dass weiteren Blutkrebspatienten geholfen werden kann. Ich hoffe, dass ich irgendwann noch einmal die Chance bekomme, für einen Patienten Stammzellen zu spenden und ihm dadurch das Leben zu retten.“